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Verwirrspiele – Fundamentalismus ist nicht nur ein Problem des Islam

Posted by antifaunited - 04/08/2008

Böser Palästinenser, guter Tibeter! Wie ich darauf komme? Am 6. März stürmte ein Bewaffneter die Jeschiva (Talmud-schule) „Mercas Harav“ in Westjerusalem und erschoss acht der Anwesenden, zumeist Studenten, die sich in jüdische religiöse Schriften vertieften, bevor er selber durch eine Kugel starb. Elf Menschen wurden verletzt. Für eine vom westlichen Medienkonsum geprägte Öffentlichkeit musste klar sein, dass dieses Verbrechen eine Ausgeburt des palästinensisch-fundamentalistisch-islamistischen Terrors war — unbegründet, fanatisch und brutal. Der „gut informierte Bürger“ stimmte folglich zu, wenn der UN-Generalsekretär den „grausamen Angriff“ verurteilte, die USA-Außenministerin von einem „Akt des Terrors und der Verderbtheit“ sprach und auch Herr Steinmeier aus der BRD den Anschlag mit markigen Worten geißelte. Jede Frage, etwa nach den Ursachen dieser Gewalt, erübrigte sich.
Im Kontrast dazu war und ist der Terror tibetischer Gangs in Lhasa nach westlicher Deutungshoheit ganz selbstverständlich berechtigter Widerstand gegen chinesische Unterdrückung und Besatzung. Also böser Palästinenser, guter Tibeter, soll gedacht werden.
Das ist Grund genug, einige Gedanken zu äußern, die in die Bewertung des Anschlags von Jerusalem und dessen Ursachen einfließen sollten, ohne diesen deshalb etwa rechtfertigen zu wollen:
1. Offensichtlich ist, dass hier Terror mit Terror vergolten wurde. Immerhin hatte das israelische Militär in staatsterroristischer Gewalttätigkeit kurz zuvor mindestens 130 Palästinenser im Gazastreifen getötet. Übrigens blieb dazu ein adäquat massiver Aufschrei der „westlichen Wertegemeinschaft“ aus. Will man aber Terror verurteilen, dann hat das für jeden zu gelten, auch für den Staatsterror Israels!
2. Eine Jeschiva ist eine religiöse jüdische Lehranstalt, in der ausschließlich junge Männer studieren. Jeschiva ist hebräisch und bedeutet etwa Sitz oder Sitzung, wohl auch Seminar als Bezeichnung einer jüdischen Schule, in der die gesamte rabbinische Tradition, vorwiegend der Talmud, gelehrt wird. Zudem werden in Talmud-schulen weltliche Kurse angeboten. Dies ist die eine Seite der Medaille. Und die andere? Die Jeschiva „Mercas Harav“ war und ist die ideologisch-religiöse Zentrale der Siedler. Diese aber sind in der Sicht vieler Palästinenser jene, welche ihnen ihr Land, ihre Heimat gewaltsam raubten und rauben.
Die israelische Zeitung „Haaretz“ ließ wissen, dass die angegriffene Jeschiva das „Flaggschiff der Talmudhochschulen-Flotte“ sei. Dort würden seit dem Ende des so genannten Sechstagekrieges (1967) durch die Bewegung Gush Emunim die Grundlagen
für die „religiöse Besiedlung“ des Westjordanlands geschaffen. Gush-Emunim (Block der Gläubigen) vertritt den göttlichen Anspruch der Juden auf Eretz Israel, das heilige Land. Ganz in diesem Sinne forciert sie auf außerparlamentarischem Wege die weitere Besiedlung, richtiger den weiteren Landraub.
Palästinensische Interessen? Unwichtig! Wenn überhaupt, sollen den Palästinensern lediglich Rechte als Individuen, auf keinen Fall aber als Gruppe oder Volk zugestanden werden. Ist diese Anmaßung Ausdruck der Forderung nach einem mehr oder weniger „reinen“ jüdischen Staat? Wenn ja, wäre dieser Anspruch nicht fatal demjenigen islamischer Fundamentalisten nach einem „Gottesstaat“ ähnlich? Man mag es wahrhaben wollen oder nicht, auch im Judentum gibt es fundamentalistische Richtungen, gemeinhin als ultra-orthodox bezeichnet. Sie betrachten andere religiöse Anschauungen als minderwertig und sich selbst als auserwählt. Ihre feindliche Einstellung gegenüber den Palästinensern ist nicht selten mit der Bereitschaft gepaart, mit Gewalt das biblische Israel zu schaffen. Dieser Fanatismus lässt weder Platz für Palästinenser noch für liberale Juden. Der Anschlag auf den ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin am 4. November 1995 demonstrierte dies anschaulich.
3. Jedem Fundamentalismus, ob im Islam, Judentum, Christentum, Hinduismus oder Buddhismus, ist eines gemeinsam: das Festhalten an bzw. das Streben nach Rückkehr zu althergebrachten, überlieferten, frühzeitlichen religiösen Dogmen. Damit paart sich die Ablehnung von Neuem, insbesondere in seinem Bezug auf gesellschaftliche Vielfältigkeit und Toleranz aller Art. Eine wesentliche Methode zur Erreichung seiner Ziele sieht der Fundamentalismus in der Instrumentalisierung von Politik. Widerspruch wird, wenn nötig, mit Gewalt gebrochen. Eine seiner Angriffsweisen ist deshalb der Terror, basierend auf einer Militanz, für die alle auf nur einen Gott orientierten Religionen (Christentum, Judentum und Islam) empfänglicher sind als Hinduismus und Buddhismus.
Fundamentalismus muss nicht zwangsläufig Terror heißen. Fundamentalisten, auch Islamisten sind nicht generell Terroristen. Fanatische Aggressivität und Militanz mithin nur dem Islam oder etwa dem Islamismus in seiner Gesamtheit anzulasten, ist durchsichtige Propaganda. Dennoch wurde damit in der öffentlichen Wahrnehmung ein Feindbild geschaffen, bei dem einseitig islamischer Fundamentalismus und Terrorismus wahrheitswidrig verwoben wurden.
So, wie also dem Islam nicht die Rolle des alleinigen Trägers von Fundamentalis-
mus und schon gar nicht von Terrorismus zugewiesen werden kann, so auch nicht die Rolle des Pioniers der fundamentalistischen Bewegung überhaupt. Bahnbrecher dieser Bewegung war der nordamerikanische Protestantismus, der vor allem dem Darwinismus gnadenlosen Kampf angesagt hatte. Und es blieb wiederum dem christlichen Fundamentalismus vorbehalten, den kriegslüsternsten Vertreter dieser Tendenz hervorzubringen: USA-Präsident George W. Bush. In seinem pseudoreligiösen Wahn ließ und lässt er in vielen Regionen der Welt einen Vorgeschmack von Apokalypse aufkommen. Das vermochte bislang kein islamistischer Terrorist.
4. Wie Christentum, Judentum und Islamismus blieben auch Hinduismus und Buddhismus nicht vom Fundamentalismus terroristischer Prägung verschont. Im Dezember 1992 zerstörten Zehntausende fanatisierte Hindus die Babri-Moschee im indischen Ayodhya und errichteten auf deren Ruinen einen Hindu-Schrein. Im Verlaufe allein dieser Geschehnisse wurden mehr als 2000 Menschen, überwiegend Muslime, getötet.
Selbst im Buddhismus, dem eigentlich jede Form von Fundamentalismus widerspricht, finden sich in neuerer Zeit stärkere Tendenzen zu fundamentalistisch-terroristischen Haltungen. Am bekanntesten wurde die japanische buddhistische Aum-Shinrikyo-Sekte (Erhabene Wahrheit) durch ihren Giftgasanschlag auf die Tokioter Metro am 20. März 1995 mit zwölf Toten und über fünftausend Verletzten. Geplant war ein Massenmord an Millionen.
Und hier schließt sich der Kreis zur Propagandalüge: böser Palästinenser, guter Tibeter. Eben jenes Oberhaupt der „guten“ Tibeter, der dem Fundamentalismus zutiefst verhaftete Dalai Lama, unterhielt enge Kontakte zu dem japanischen Sekten-Chef, Terroristen und Hitler-Verehrer Shoko Asahara.

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