Antifaunited

Against increasing racism and the contempt for mankind in Germany and Europe, against Peoplephobie, against criticism prohibitions, against Nazis

Wie die CDU die Muslime Homophobisiert

Posted by Botschaft - 05/09/2008

Auf der Antifa-Konferenz vom 5. bis 7. September 2008, die im Rahmen der Gegenmobilisierung zum „Anti-Islamisierungs-Kongress“ europäischer Faschisten in Köln organisiert wird, soll es am Samstag Nachmittag auch einen Workshop zum Thema „Homophobie und antimuslimischer Rassismus“ geben. Hier die Ankündigung vorab:

Die CDU konstruiert den ‚homophoben Moslem‘

Am 1. Januar 2006 trat in Baden-Württemberg der als „Muslim-Test“ bekannt gewordene „Gesprächsleitfaden für die Einbürgerungsbehörden“ in Kraft. Die überwiegende Zahl der Fragen befasste sich mit der Gleichberechtigung der Geschlechter und transportierte das alte kolonialistische Klischee von der „sozialen Degradierung der Frau durch den Islam“ – was als ethnisches Vorurteil in einem Land, in dem jede vierte deutsche Frau von ihrem Partner regelrecht verdroschen wird, doch einigermaßen verwundert. Fast noch kurioser waren allerdings zwei (mit Rücksicht auf die christliche Klientel der CDU im Sommer 2007 gestrichene) Fragen, in denen sich die Ausländerbehörden auch nach der Einstellung des Bewerbers zu „Homosexuellen“ erkundigten.

So hieß es in Frage 30: „Stellen Sie sich vor, Ihr volljähriger Sohn kommt zu Ihnen und erklärt, er sei homosexuell und möchte gerne mit einem anderen Mann zusammen leben. Wie reagieren Sie?“ Vermutlich nicht anders als 80% der deutschen Männer, die in einer repräsentativen Emnid-Umfrage aus dem Jahr 2001 angaben, sie würden ein eigenes lesbisches oder schwules Kind „eher oder sehr negativ“ bewerten. Es ist schon seltsam, wenn in einer solchen Gesellschaft Homophobie als ein Punkt aufgefasst wird, an dem sich eine „kulturelle Differenz“ zwischen Deutschstämmigen und ethnisch Minorisierten konstruieren ließe.

Dass sich hier lebende Muslime, die in ihrer Mehrheit aus einem Staat stammen, in dem gleichgeschlechtlicher Sex schon seit 84 Jahren nicht mehr strafbar ist, nun ausgerechnet von einer CDU-Behörde fragen lassen sollen, wie sie es mit „Homosexuellen“ hielten, ist an historischer Amnesie eigentlich schon nicht mehr zu überbieten. Denn es waren bekanntlich die C-Parteien, die den berüchtigten Homoparagraphen 175 zwei Jahrzehnte lang in seiner verschärften Nazifassung konservierten. Statt sich aber gegen ihre Instrumentalisierung für rassistische Zwecke zu wehren, brachten es verbandspolitisch organisierte Schwule fertig, die Konservativen dafür zu preisen, dass sie Moslems vor ihrer Einbürgerung einem vermeintlich homofreundlichen Rigorosum unterziehen. So sehr scheinen sie verinnerlicht zu haben, dass man sich Bürgerrechte im CDU-Staat erst verdienen muss, indem man ihn von der eigenen Harmlosigkeit für die Gesellschaft überzeugt, dass sie meinen, die assimilatorische Ochsentour, die sie selbst schon hinter sich haben, jetzt genüsslich auch von anderen einfordern zu dürfen.

Offenbar glauben Homosexuelle, von dem „Feindbild Islam“ profitieren zu können. Denn im selben Maße, wie es Migrant_innen aus der deutschen Gesellschaft ausgrenzt, scheint es ihnen den Weg zu eröffnen, sich als nützliches Element der Feindbildpflege in diese zu integrieren. Dabei hat sich an der Heteronormativität der von den Schwulen im „Kulturkampf“ verteidigten westlichen Verhältnisse in den letzten Jahrzehnten überhaupt nichts Grundlegendes geändert. So ist der Anteil derer, denen in der Gegenwart Homosexueller „körperlich unwohl“ wird, seit den 70er Jahren praktisch konstant geblieben. Der Anteil der Deutschen, die das, was Homosexuelle tun, als eine „Schweinerei“ betrachten, für die man sie „kastrieren sollte“, ist zwar zwischen 1974 und 1991 auf ca. 20% zurückgegangen (die alten Nazis starben langsam aus). Dafür brach der Anteil männlicher Jugendlicher, die angaben, sexuelle Erfahrungen mit dem eigenen Geschlecht gesammelt zu haben, ungefähr im selben Zeitraum von 18 auf zwei Prozent zusammen.

Aber wie sollen solche heteronormativen Gewaltverhältnisse überhaupt noch zur Sprache kommen, wenn die Kritik daran umgelenkt, für rassistische Zwecke ausgebeutet und schließlich ganz auf den „Anderen“ abgeschoben wird? Es gibt deshalb gerade auch für Schwule, die mit den Zuständen unzufrieden sind, ein ganz und gar nicht uneigennütziges Interesse daran, sich am Kampf gegen den „differenzialistischen Rassismus“ (Taguieff) zu beteiligen.

Dass Homophobie der muslimischen Tradition nicht schon immer inhärent war, sondern – wie in einem ausführlichen Exkurs gezeigt werden soll – erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts aus Europa Eingang in das Normensystem des zerfallenden Osmanischen Reiches fand, ist ein weiterer Grund, sich mit der Konstruktion geschichtsloser Kulturen und unveränderbarer Religionen anzulegen. Eine Verteidigung des Islam ist es übrigens noch lange nicht, ihn mit seinen „erfundenen Traditionen“ (Hobsbawm) zu konfrontieren; wohl aber eine Kritik am Authentizitätskult des Islamismus, den ihm seine kulturrassistischen Kritiker immer schon gerne geglaubt haben.

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