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Erst Hetzkampagne, dann Feuer

Posted by Botschaft - 01/10/2008

Göttingen: Polizei spricht von technischem Defekt nach Brand in Afro-Shop. Betroffene glauben an einen Anschlag. Vermieter hatte zuvor die NPD zu Hilfe gerufen

Am Wochenende brannte der Laden in der Göttinger Innenstadt aus

Am Wochenende brannte der Laden in der Göttinger Innenstadt aus

Vor dem »O. J. Markt« riecht es nach Rauch und Ruß. Eine Scheibe des Afro-Shops in der Göttinger Innenstadt ist zerborsten, die Einrichtung weitgehend verbrannt, vor die kaputte Eingangstür hat die Feuerwehr provisorisch eine dicke Spanplatte montiert. In der Nacht zum vergangenen Samstag, zwischen zwei und drei Uhr, war in dem Laden ein Feuer ausgebrochen. Mobiliar und Waren im Wert von rund 65000 Euro wurden nach vorläufigen Schätzungen zerstört.

Nach Angaben der Polizei ist das Feuer »mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit« auf einen technischen Defekt zurückzuführen. Zweimal waren die Ermittler inzwischen vor Ort. Spuren eines Brandbeschleunigers oder andere Hinweise auf einen Anschlag fanden sie nicht. Doch der Inhaber des Ladens und viele seiner Freunde und Kunden haben da Zweifel. Sie verweisen auf Drohungen des Vermieters und seine Kontakte zur NPD.

»Für mich ist die Version der Polizei kaum zu glauben«, sagt Joseph Akhigbe Michael. Der Nigerianer – er kam vor zwölf Jahren nach Göttingen und lebt mit einer unbefristeten Aufenthaltserlaubnis in der Universitätsstadt – hatte den Laden vor zwei Jahren gemietet. Im Juli 2007 erwarb der jetzige Besitzer, der Verleger Freiherr von W., die Immobilie und erhöhte kurz darauf die Miete für den Afro-Shop um 200 auf 700 Euro. Gleichzeitig forderte er eine im Mietvertrag gar nicht vorgesehene Zahlung einer Kaution über zwei Monatsmieten.

Als Michael die erhöhten Zahlungen verweigerte, brach W. einen Psycho-Krieg gegen seinen Mieter vom Zaun. Er klebte Zettel mit der Aufschrift an, daß der Laden zu vermieten sei und der Pächter ihm 5000 Euro schulde. Auch fing er Kunden am Eingang ab, um diesen sein angebliches Leid zu klagen und sie so vom Betreten des Shops abzuhalten. Beim Göttinger Amtsgericht sind zudem Bemühungen des Verlegers aktenkundig, Michael bei den Behörden zu denunzieren. »Er hat unter anderem behauptet, ich hätte keine Papiere, ich würde illegal Leute beschäftigen oder meine Lebensmittel seien abgelaufen«, erzählt der Nigerianer. »Nichts davon stimmte.«

Als das Gericht den Rufmord per einstweiliger Verfügung stoppte, wandte sich Vermieter W. im Sommer schriftlich an die Göttinger NPD. »Mittlerweile ist durch das fehlende Geld mein Konto gesperrt, und mir droht die Zwangsversteigerung meiner Immobilie. Kann ich bei Euch irgendwelche Hilfe bekommen?«, fragte er darin. Die rechtsextreme Partei veröffentlichte das Schreiben auf ihrer Internetseite und versah es ihrerseits mit rassistischen Kommentaren: »Das ist dem Bewußtsein des Negers fremd.«

Michael berichtet zudem von immer massiveren persönlichen Drohungen, die der Vermieter gegen ihn ausgestoßen hat. »Ich hetze dir die Russen auf den Hals«, soll W. gesagt haben. Freunde des Nigerianers bezeugen, sie hätten den Verleger in jüngster Zeit mehrfach in Begleitung von Neonazis gesehen. Noch am Donnerstag vor dem Brand sei der Afro-Shop von Rechtsradikalen fotografiert worden.

Kritik übt Michael auch am Verhalten der Polizei nach dem Brand. »Die haben mich nicht angerufen oder bei mir geklingelt.« Erst als er am Sonntag mittag zu seinem Laden ging, habe er die Zerstörungen bemerkt. Mit einer Gruppe von Unterstützern, unter ihnen auch der Landtagsabgeordnete der Partei die Linke Patrick Humke-Focks, zog Michael selbst zur Polizeiwache. Und erreichte nach eineinhalbstündiger Diskussion mit den Beamten, daß für die folgende Nacht ein Streifenwagen vor seiner Wohnung Position bezog.

Unterstützer des Nigerianers, darunter auch Gewerkschafter, demonstrierten am Dienstag in Göttingen gegen Rassismus. »Ob es nun ein technischer Defekt war oder nicht – es kann nicht sein, daß Ausländer auf diese Weise schikaniert und eingeschüchtert werden«, sagen sie.

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