Antifaunited

Against increasing racism and the contempt for mankind in Germany and Europe, against Peoplephobie, against criticism prohibitions, against Nazis

Die Annäherung ist existent

Posted by Botschaft - 04/10/2008

Lesben- und Schwulenverband LSVD will sich für homosexuelle Muslime einsetzen

Etliche Fotografen, Fernsehleute und eine Radioreporterin drängen sich in einen Nebenraum der Sehithik-Moschee am Columbiadamm. Sogar drei Polizeibusse sind gekommen. Wen sie beschützen sollen? Unklar. So hatte sich Bali Saygili, ein hagerer Mann mit kurzen schwarzen Haaren und warmer Stimme, das eigentlich nicht vorgestellt. Saygili ist Koordinator des MILES-Projekt des Berliner Lesben- und Schwulenverbandes Deutschlands (LSVD), das sich vor allem an MigrantInnen wendet.

»Wir wollen die Sache eigentlich nicht aufbauschen, es sind erste Schritte«, hatte er noch Dienstag gesagt. Ziel sei, vorsichtig ins Gespräch zu kommen, um auf eine Verbesserung der Situation homosexueller Muslime in Berlin hinzuarbeiten.

Die Sehithik-Moschee gilt für viele als die wichtigste Moschee in der Stadt. Ein prunkvoller Bau mit einem hohen Minarett und einem riesigen Kronleuchter über dem grünen Gebetsteppich. Die Moschee gibt sich am »Tag der offenen Moschee« weltlich. »Das ist der Stuhl und hier ist die Treppe, da steigt der Pfarrer beim Freitagsgebet hoch.« Islam für Anfänger. Parallelen mit dem Christentum werden betont: »Allah heißt Gott.«

Bekir Alboga, Referatsleiter für interreligiöse und interkulturelle Zusammenarbeit der Türkisch-Islamische Union (DITIB), verteilt in dem kleinen Nebenraum eine Stellungnahme zur Homosexualität. »Es wäre gegen die Seele des Islam, wenn wir Homosexuellen nicht die Türen unserer Moschee öffnen würden«, sagt er und betont immer wieder, dass er gegen jede Art von Diskriminierung sei. »Bei keinem Freitagsgebet in dieser Moschee haben wir gesagt, dass man Homosexuelle diskriminieren soll«. Es ist eine Verteidigungsrede, die er hält.

Bei den Besuchern des Freitagsgebets wird das Verhältnis zu Homosexuellen teilweise anders gesehen. »Wir diskriminieren niemanden«, sagt Kemal und schiebt sein Basecap zurecht. »Alle Menschen sind wichtig.« Aber mit dem Islam sei Homosexualität nun mal unvereinbar, »das wird aber nicht diskutiert, mit solchen Themen will ich mich auch gar nicht konfrontieren«. Im Koran selbst wird die Liebe unter Männern zwar verurteilt, es werden aber keine Strafen festgelegt. Von sexuellen Handlungen unter Frauen ist im Koran gar keine Rede.

Konkret sieht Bekir Alboga von der DITIB aber, trotz seines Engagements gegen Diskriminierungen, keine Möglichkeiten, homosexuellen Muslimen Hilfe zu geben. »Dafür haben wir keine Ressourcen, wir arbeiten alle ehrenamtlich.« Das Stichwort für Bali Saygili: »Das würde ich sofort kostenlos für Sie einmal die Woche übernehmen«, sagt er. »Ich mach die Beratung sowieso, warum nicht hier in der Moschee?« Eine Antwort bekommt er nicht mehr, »keine Zeit«, aber »wir bleiben im Gespräch«, verabschiedet sich Alboga.

Advertisements

Sorry, the comment form is closed at this time.

 
%d Bloggern gefällt das: