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Köhler ehrt Antifaschistin Esther Bejarano

Posted by Botschaft - 08/10/2008

Überlebende von Auschwitz und Ravensbrück nimmt nach ersten

Esther Bejarano

Esther Bejarano

Zweifeln Bundesverdienstkreuz erster Klasse an

Mit 15 Jahren wurde sie von ihren Eltern getrennt, mit 16 von den Nazis in ein Zwangsarbeitslager gesteckt, mit 18 nach Auschwitz deportiert. Sie überlebte Auschwitz und den Todesmarsch von Ravensbrück. Seit ihrer Ausbildung zur Koloratursopranistin in Israel vor fast 60 Jahren ist sie so etwas wie eine musikalische Botschafterin für den Frieden. Am Montag ist Esther Bejarano von Bundespräsident Horst Köhler im Berliner Schloß Bellevue mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse ausgezeichnet worden: für ihre unermüdliche Arbeit als Zeitzeugin und explizit auch für ihr Engagement als Vorsitzende des Auschwitz-Komitees in der BRD und Ehrenvorsitzende der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA).

»Eigentlich wollte ich es ablehnen, aber so viele haben mir zugeraten, es doch anzunehmen«, sagte Esther Bejarano. Als vor etwa einem Vierteljahr der Anruf aus der Hamburger Senatskanzlei kam, in dem sie über die bevorstehende Ehrung informiert wurde, war sie erst einmal baff. »Nee, das will ich nicht«, dachte die Shoa-Überlebende spontan. »In diesem Land können immer noch und immer wieder Nazis aufmarschieren. Menschen werden von brutalen Skins verfolgt und ermordet, nur weil sie eine andere Hautfarbe, Kultur oder Lebensstil haben. In Hamburg ist es sogar möglich, daß mitten in der City ein Nazi-Laden eröffnet wird. Die Regierung tut nichts dagegen – und wenn ich gegen Nazis auf die Straße gehe, dann werde ich mit Wasserwerfern traktiert.« So geschehen am 31. Januar 2004, als Esther Bejarano zu einer Kundgebung der VVN-BdA gegen einen Naziaufmarsch anläßlich der Wehrmachtsausstellung als Hauptrednerin eingeladen war. Doch statt reden zu können, wurde sie in dem kleinen LKW, der als Lautsprecherwagen diente, von Uniformierten umzingelt und frontal von einem Wasserwerfer beschossen. Mehr als eine Viertelstunde trennte sie nur die dünne Windschutzscheibe von dem Hochdruck-Wasserstrahl.

Die Ehrung ging ihr indes nicht aus dem Kopf und statt das Kreuz umgehend rundweg abzulehnen, beriet sich die 83jährige Künstlerin mit ihren Kindern, Nachbarn, Freunden und politischen Weggefährten. »Alle sagten: ›Esther, Du mußt das unbedingt annehmen. Es ist gerade wichtig, daß Antifaschistinnen wie Du ausgezeichnet werden‹.« Also entschied sie sich, »es« doch anzunehmen. »Aber ich werde ein Statement abgeben, in dem ich sage, was ich denke«, beschloß sie, nicht ahnend, daß in der Etikette solche Art Meinungsäußerung nicht vorgesehen ist.

Die Zeremonie in Schloß Bellevue war minutiös durchgeplant und stilvoll. Richtig gemütlich wurde es anschließend im Restaurant Terzo Mondo, wo die Würdenträgerin von Verwandten und Bekannten gefeiert wurde. Heinrich Fink, Bundessprecher der VVN-BdA, Helga Obens vom Auschwitz-Komitee und der Vorsitzende der Deutschen Kommunistischen Partei, Heinz Stehr, würdigten Esther Bejarano mit launigen Worten. Der Musiker Kostas Papanastisou, »König« vom Terzo Mondo, ließ es sich nicht nehmen, der Künstlerkollegin seine Glückwünsche musikalisch mit Stücken von Theodorakis sowie Friedens- und Arbeiterliedern zu überbringen.

Die Entscheidung für das Bundesverdienstkreuz war sicher die richtige – persönlich und politisch: als Anerkennung für ihr unermüdliches Engagement gegen Krieg und Faschismus, und schließlich ist es ein Unterschied, ob der schwarz-grüne Senat in Hamburg künftig Wasserwerfer auf die Bürgerin Esther Bejarano hetzt – oder auf die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse.

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