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»Da bin ich wohl jemandem zu heftig auf die Füße getreten«

Posted by Botschaft - 01/12/2008

Seit einer Dokumentation über Uranmunition bekommt der Filmemacher keine Aufträge mehr von Fernsehanstalten. Ein Gespräch mit Frieder Wagner

Frieder Wagner ist Regisseur, Kameramann und Autor; er lebt in Köln
wagnerÜber die von den USA in Serbien und im Irak verschossenen Granaten mit abgereichertem Uran (Depleted Uranium, DU) wird heute kaum noch gesprochen, obwohl sie nach wie vor weite Landstriche verseuchen. Sie haben vor zwei Jahren den Dokumentarfilm »Deadly Dust – Todesstaub – über die Uranmunition und die Folgen« erstellt. Können Sie erklären, warum die Medien dieses Thema nicht mehr aufgreifen?

Es ist völlig tabu. Heute sehe ich es schon fast als »Unfall« an, daß der WDR 2004 meine mit Valentin Thurn realisierte Dokumentation »Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra« gesendet hat. Obwohl ich für den Film auf der ÖKOMEDIA 2004 den Europäischen Fernsehpreis erhalten hatte, verschwand er nach der Erstausstrahlung im WDR-Archiv. Danach war in Sachen Uranmunition mediale Funkstille. Das hat mich sehr verblüfft, denn dieses Thema wird uns alle noch sehr beschäftigen. DU ist eine radiologische, hochgiftige Waffe, die noch Jahrhunderte nach ihrer Anwendung Mensch und Umwelt schädigt. Als Folge des Gebrauchs dieser Waffe können die Gene von Lebewesen verändert werden und zwar für immer, wird das von einer Generation auf die nächste übertragen bei einer Epidemie. Deshalb habe ich die Kinodokumentation »Todesstaub« betitelt.

Wie reagieren Ihre Auftraggeber darauf, daß Sie Sich diesem Thema so überzeugt widmen?
Für »Todesstaub« habe ich bis heute keinen Verleih gefunden. Deshalb zeige ich den Film in unabhängigen Programmkinos und an Schulen. Das tue ich zum einen, um dieses Kriegsverbrechen bekanntzumachen. Zum anderen aber auch, weil ich seit der WDR-Ausstrahlung über die verstrahlten Kinder von Basra von keinem öffentlich-rechtlichen Sender je wieder einen Auftrag bekommen habe, obwohl ich für ARD, ZDF und WDR seit 30 Jahren arbeitete. Da bin ich wohl jemandem zu heftig auf die Füße getreten. Das kann ich nicht beweisen, aber so ist es passiert. Im Falle eines Beitrags zu dieser Thematik für den Deutschlandfunk habe ich allerdings eine schriftliche Korrespondenz, die alles dokumentiert.

DU wurde von der NATO auch in Bosnien und Serbien eingesetzt, nicht aber in Afghanistan?
Auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke zu diesem Thema an die Bundesregierung antwortete Staatsminister Gernot Erler (SPD): »Der Bundesregierung liegen keine eigenen Erkenntnisse zu möglichen Einsatzorten bzw. -zeiten von Munition mit abgereichertem Uran in Afghanistan seit 2001 vor.«

Mir wurde jedoch ein als »VS – Nur für den Dienstgebrauch« deklarierter »Leitfaden für Bundeswehrkontingente in Afghanistan« aus dem Jahr 2003 zugespielt, der aus dem Verteidigungsministerium stammt.Dort heißt es zur »Gefährdung durch DU-Munition«: »In der Operation Enduring Freedom zur Unterstützung der Nordallianz gegen das Taliban-Regime wurde durch US-Kampfflugzeuge u. a. auch panzerbrechende Brandmunition mit Kern eingesetzt. Beim Einsatz dieser Munition gegen Hartziele (z. B. Pz, Kfz) entzündet sich das Uran auf Grund seiner pyrophoren Wirkung. Bei der Verbrennung entstehen besonders an und in den Zielen seßhafte toxische Stäube, die jederzeit aufgewirbelt werden können. DU-Munition kann deshalb bei ungeschütztem Personal toxische und radiologische Schädigungen hervorrufen.«

Die Regierung verbreitet also Falschinformationen?
Erler hat eindeutig Parlament und Volk belogen – ob bewußt oder unbewußt. Doch die Medien interessiert das nicht, obwohl in Italien inzwischen 109 im Kosovo stationiert gewesene Soldaten an hochaggressivem Krebs starben. Bundeswehrsoldaten leiden nicht an solchen Erkrankungen, heißt es. Ich kenne aber allein drei Fälle, in denen deutsche Soldaten an solchen Krankheiten – allein gelassen – starben.

Kürzlich waren zwei Wissenschaftler und ich zu einer Anhörung über DU und die Folgen ins Auswärtige Amt eingeladen. Wir waren hocherfreut und dachten, daß sich endlich etwas bewegt. Doch leider mußten wir feststellen, daß sich die Regierung in ihrer verharmlosenden Sicht keinen Millimeter von der Stelle rührt. (Interview: Cathrin Schütz)

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