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Archive for 10. Dezember 2008

Für unseren Freund Alexis

Posted by Botschaft - 10/12/2008

Erklärung der Vollversammlung der besetzten Theaterschule von Thessaloniki zum Tod von Alexis Grigoropoulos

Alexis war unser Freund, unser Bruder, unser Sohn, unser Klassenkamerad und unser Genosse. Der Mord am 15jährigen Alexandros war der Tropfen, der das Faß all der Fälle von Morden an jungen Menschen, die der Polizei widersprachen, auf Aufforderung nicht an einer Straßensperre angehalten haben oder einfach – so wie Alexandros – zur falschen Zeit am falschen Ort waren, zum Überlaufen gebracht hat. Der Mord an Alexis war kein isoliertes Ereignis, wie der Innenminister dreist behauptet. Seine Erklärung vollendet faktisch die Ankündigung des ehemaligen Justizministers Polydaros, wonach es nur eine Frage der Zeit sei, bis einem Polizisten das Temperament durchgehe und er schießen würde.

Der Polizeimord am jungen serbischen Studenten Bulatovic im Jahre 1998 in Thessaloniki, der Mord am jungen Leontidis durch einen Polizisten in der Cassandrou-Straße 2003, der Tod des 24jährigen Onohua, nachdem er im Sommer 2007 von einer Zivilstreife in Kalamaria gejagt worden war, der Mord an der 45jährigen Maria in Lefkimi im Zusammenhang mit einem Angriff der Polizei auf Menschen, die sich gegen eine Mülldeponie wehrten, der Mord am pakistanistischen Migranten in der Straße Petrou Ralli in Athen im letzten Monat, die alltägliche Erniedrigung und Gewalt gegen jeden kleinen Missetäter bei Polizeiaktionen überall in Griechenland, die Schüsse gegen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Studierendendemonstrationen im letzten Jahr, die gewaltsame Unterdrückung von Demonstrationen, der Tränengaskrieg der Polizei, die Gewalt gegen jeden, der protestiert … Und natürlich der tagtägliche Mord an wirtschaftlichen und politischen Flüchtlingen durch die Grenzpolizei. Selbst die Tode in den eisigen Wassern der Ägais oder den Minenfeldern von Evros: All dies ergibt das Bild der griechischen Polizei.

Der Mord an Alexis mit seinen 15 Jahren erzeugte eine Welle der Wut und Verzweiflung bei Hunderttausenden Jugendlichen und Menschen jeden Alters. Es ist nicht nur die Abscheu und die Trauer über den Tod des jungen Mannes. Es gibt ein verbreitetes Bewußtsein, daß es für jeden von uns oder diejenigen, die wir lieben, eine Kugel gibt, die auf ein unglückliches Zusammentreffen wartet, und dieses Bewußtsein teilen wir alle als Brüder, Freunde und Eltern miteinander. (…)

Wir haben die Zukunft und die Verwaltung unserer Gesellschaft an Leute ohne Moral und Regeln übertragen, die keinen Respekt vor der Menschheit kennen. In dieser Realität war der Mord am 15jährigen Alexandros der letzte Tropfen, der das Faß unserer Wut zum Überlaufen brachte.

Aber Wut ist nicht einfach nur ein Gefühl. Sie ist ein Kampf für soziale Gerechtigkeit. Eine Gerechtigkeit, von der jetzt deutlich wird, daß, solange sie in der sozialen Realität nicht existiert, es keinen sozialen Frieden geben wird, weil es nur Friedhöfe sind, die mit solcher Unterordnung und solcher sozialen Ungleichheit sozialen Frieden fordern können.

Weil wir jung sind wie Alexandros, weil wir einen Traum von Würde träumen wollen, wo der Staat und die Autoritäten nur Unterordnung und Verzweiflung verbreiten, weil wir leben und nicht nur über den nächsten Winter kommen wollen, wegen all dem sind wir wütend und kämpfen wir.

Wir werden Alexandros weder vergessen, noch wollen wir einen weiteren toten Alexandros durch Polizeikugeln.

Es wird keinen Frieden geben mit denen, die die Zukunft der Jugend zerstören (…).

Wir rufen alle Bewohner, alle Studenten und Arbeiter auf, mit uns gegen die staatlich gedeckten Mörder auf die Straße zu gehen.

Quelle: www.fau.org

INDYMEDIA ATHEN

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Nichts geht mehr in Griechenland

Posted by Botschaft - 10/12/2008

Nichts geht mehr in Griechenland. Nach tagelangen Protesten von Schülern und Studenten legte am Mittwoch ein Generalstreik von Gewerkschaften und Linksparteien das EU-Land lahm. Ministerien, Schulen und Universitäten blieben geschlossen, bis Mitternacht wurden alle Flüge und Fährverbindungen gestrichen. In Krankenhäusern herrschte nur ein Notbetrieb. Auch im öffentlichen Nahverkehr von Athen wurde gestreikt. Der Massenprotest richtet sich gegen die neoliberale Wirtschaftspolitik der rechten Regierung von Konstantinos Karamanlis und die tödlichen Polizeischüsse auf einen 15jährigen Schüler am 6. Dezember.

In der griechischen Hauptstadt zogen am Mittwoch morgen Tausende Anhänger der kommunistischen Gewerkschaft PAME zum Arbeitsministerium. Auch die Synaspismos-Gewerkschaft AP demonstrierte in Athen. Der Gewerkschaftsdachverband der sozial­demokratisch orientierten Gewerkschaften rief zu einer Kundgebung vor dem Parlament auf. Die Beteiligung am Streik sei »umfassend«, sagte ein Sprecher des GSEE. »Das ganze Land steht still.« Vergeblich hatte Regierungschef Karamanlis versucht, die Gewerkschaften angesichts tagelanger gewaltsamer Auseinandersetzungen zur Absage des schon länger geplanten Generalstreiks gegen geplante Privatisierungen und Lohnkürzungen zu bewegen.

Die sozialdemokratische Opposition im Parlament forderte am Mittwoch erneut den Rücktritt von Karamanlis. Die von der Nea Dimokratia (ND) gestellte Regierung hat im Parlament nur eine Mehrheit von einer Stimme. »Die Regierung kann die Krise nicht bewältigen, und sie hat das Vertrauen des griechischen Volkes verloren«, erklärte PASOK-Chef Georgios Papandreou. In Umfragen führt seine Partei derzeit deutlich vor ND. Sollte es bei Neuwahlen nicht zu einer absoluten Mehrheit reichen, gibt es im oppositionellen Linksblock Synaspismos starke Kräfte, die für eine Koalition mit PASOK werben würden. Die griechischen Kommunisten der KKE wollen sich Neuwahlen nicht verschließen. Sie betonten aber, einzig anhaltende Massenproteste seien effektiv wirksam, um eine Umwälzung der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse zu erreichen. KKE und ­PAME hatten am Mittwoch in 66 Städten Demonstrationen organisiert. Alle verliefen den Angaben zufolge friedlich.

Ungeachtet dessen kam es auch am Mittwoch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen vermummten Jugendlichen und der Polizei. In Athen zogen mehrere tausend Schüler und Studenten zum Parlamentsgebäude am Syntagma-Platz, um gegen den Tod des 15jährigen Alexis Grigoropoulos zu protestieren. »Die Polizei ging mit Tränengas gegen Randalierer vor, die Molotow-Cocktails und andere Gegenstände warfen«, berichtete ein AFP-Reporter. In Thessaloniki kam es am Rand einer Demonstration von rund 2000 Schülern und Studenten zu Ausschreitungen. Auch hier setzte die Polizei Tränengas ein. Inzwischen häufen sich Augenzeugenberichte, wonach Hooligans und Zivilpolizisten an den Krawallen beteiligt sind, mutmaßlich um die gesamte Protestbewegung zu diskreditieren.  

Anwälte des Todesschützen behaupteten unterdessen, ihr Mandant werde durch eine ballistische Untersuchung entlastet. Der 37jährige Polizist, der seit Sonntag in Untersuchungshaft sitzt, hatte mehrmals ausgesagt, er habe drei Warnschüsse abgefeuert. Das Opfer, Alexis Grigoropoulos, sei von einem Querschläger getroffen worden. Augenzeugen versicherten dagegen, auf den 15jährigen sei gezielt geschossen worden.

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Wir haben Angst

Posted by Botschaft - 10/12/2008

Die Protestbewegung in Griechenland wird größer, die Reaktion brutaler: Aktivisten berichten über plündernde Hooligans und die Kooperation der Polizei mit faschistischen Schlägern

athen3Die Proteste gegen Polizeigewalt und die rechte Regierung in Griechenland weiten sich aus. »Aus den Unruhen anarchistischer Gruppen wird nun eine umfassende außerparlamentarische Oppositionsbewegung«, konstatierte die Nachrichtenagentur AP am Mittwoch. Und weiter: »Der Tod eines Jugendlichen durch Polizeischüsse am vergangenen Samstag ist nicht mehr allein die Sache kleiner Gruppen, die gegen das Establishment protestieren und hin und wieder Geldautomaten demolieren und Brandsätze schleudern. Sie sind nicht länger isoliert, sondern haben nun Zulauf von Studenten, die keine Arbeitsplatzperspektive haben, und etablierten politischen Organisationen.«

Menschenrechtsorganisationen werfen der griechischen Polizei mittlerweile vor, »gewaltsame Strafmaßnahmen auch gegen friedliche Demonstranten« auszuüben. Mehrere tausend Menschen waren am Dienstag zur Beisetzung des 15jährigen Alexis Grigoropoulos in Athen gekommen. Bei Auseinandersetzungen im Anschluß an den Trauermarsch sollen Polizisten zur Waffe gegriffen und Warnschüsse abgegeben haben.

Längst hat die überwiegend von Jugendlichen getragene Protestbewegung das ganze Land erfaßt. In Dutzenden Städten kommen sie zu Beratungen zusammen und gehen sie danach auf die Straßen. Im Internetblog alexisg.blogsport.de berichten sie über ihre Aktivitäten, Pläne und Ängste. Über die Proteste in der westgriechischen Hafenstadt Patras ist dort etwa zu lesen: »Da die Universität weit außerhalb des Stadtzentrums liegt, haben wir einen freien Raum namens Parartima besetzt. (…) Dieser Ort ist zum zentralen Punkt geworden, wo Diskussionen geführt und Entscheidungen gefällt werden vor und nach den Aktionen, und er dient als Gegeninformationspunkt für alle. Montag nacht haben wir einen lokalen Fernsehsender besetzt und den Menschen von Patras eine Powerpointpräsentation gezeigt und zur Demonstration am Dienstag aufgerufen.«

Selbstkritisch heißt es zur Gewalteskalation der vergangenen Tage: »Wir haben Angst, weil die Dinge außer Kontrolle sind. Es kommen auch Hooligans und, um es milde zu formulieren, dumme Arschlöcher zu den Demos und zerstören einfach ohne Gewissen. Sie kommen nicht zu den Treffen, es ist ihnen egal, sie sind einfach Faschisten und viele von ihnen definitiv Polizisten – wir haben sie danach ins Polizeigebäude gehen sehen. Das Problem ist, daß wir sie während der Aktionen nicht identifizieren können, weil sie ihre Gesichter bedecken wie der schwarze Block. Unsere Ziele sind die Polizei (Autos und Gebäude), Banken und Presse. Ihre Ziele sind Läden – sie brechen sie auf und gehen rein, um zu stehlen, verdammt nochmal – und normale Autos. Wir versuchen, sie zu isolieren, aber das ist schwer, wenn die Polizei uns jagt oder mit Tränengas beschießt … Außerdem sind sie schwer bewaffnet – wo haben sie nur das ganze Zeug her?« Und weiter: »Wir haben Angst vor dem, was passieren wird. Der Staat hat beschlossen, uns seine Zähne zu zeigen.«  

AP berichtete am Mittwoch, in Patras hätten »Randalierer« am Dienstag abend Polizeiwachen mit Molotow-Cocktails und Steinen angegriffen. Unter Berufung auf »örtliche Medien« meldete die internationale Agentur weiter, Geschäftsinhaber hätten der Polizei vorgeworfen, »nicht richtig eingeschritten zu sein, als ihre Läden angezündet wurden«. Schließlich seien »einige Menschen selbst« gegen Plünderer vorgegangen. Auf alexisg.blogsport.de lesen sich die Auseinandersetzungen anders: »Wer wird sagen, daß die Polizei Nazis zu Hilfe gerufen hat? Sie haben uns zwei Kilometer lang gejagt! 300 Faschisten rennen hinter uns, halten Messer in den Händen, werfen Steine, und hinter ihnen, wer wohl? Die Polizei mit Tränengas!« Weiter heißt es: »Wir waren ungefähr 1000 unbewaffnete Leute. Ich mußte mit einigen anderen in ein Haus flüchten. Dort mußten wir drei Stunden warten, ohne Licht, im Dunkeln, weil wir dank unserer Handys herausgefunden hatten, daß Faschisten der Gruppe ›Golden Dawn‹ weiter in der ganzen Stadt patrouillierten, überall geklingelt und alle terrorisiert haben. (…) Parartima und zwei weitere Räume von uns wurden nach der Jagd abgebrannt. Und die verdammte Presse sagt, daß es wütende, einfache Bürger waren, die uns gejagt haben. Das ist eine Lüge.«

Auf die Frage, wie die Bevölkerung von Patras reagiert habe, heißt es: »Viele haben nur zugeschaut und sich den Kampf angeschaut, so als wäre es ein Zirkus oder eine Show. Die meisten haben ihre Sympathie ausgedrückt, haben von weitem gerufen. Einige haben uns geholfen, mit Wasser, Medizin und Fluchtrouten.«

Pathetisch heißt es abschließend: »Obwohl wir wissen, daß die Faschisten nach uns suchen, haben wir entschieden, am Mittwoch morgen zur Demo der streikenden Arbeiter zu gehen. Wir sind nicht gescheitert, nur weil wir um unsere Leben gerannt sind oder nur weil es keine freien Räume mehr gibt. Was wir bis jetzt geschafft haben, ist das wahre Gesicht des Systems, das fälschlicherweise Demokratie genannt wird, zu enthüllen.« Die Nachricht, »die alle hören sollen«, in Griechenland und international, laute schlicht: »Der Kampf geht weiter. Irgendwie werden wir zurückschlagen.« Sie kam aus Patras, Mittwoch, 10. Dezember, drei Uhr nachts.
http://de.indymedia.org/2008/12/234980.shtml

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