Antifaunited

Against increasing racism and the contempt for mankind in Germany and Europe, against Peoplephobie, against criticism prohibitions, against Nazis

Krise in Griechenland

Posted by Botschaft - 12/12/2008

Hinter der Jugendrevolte in Griechenland stehen Armutslöhne, hohe Arbeitslosigkeit, Korruption und die Entzauberung eines künstlichen Wirtschaftswachstums

Millionenschäden durch Straßenrandale, Milliardenhilfe für Banken frei Haus – Athen im Dezember Foto: AP

Das britische Wirtschaftsmagazin The Economist findet die militante Jugendrevolte in Griechenland »bizarr und beängstigend«. Über die Ursachen macht es sich allerdings keine Illusionen: Die ernsten, »vielfach chronischen« Leiden des Landes seien »zum Teil durch leichtes Geld maskiert« worden. Eine führende Rolle spielten dabei üppige EU-Subventionen, die Sonderkonjunktur in der Schiffahrtsbranche und der Bauboom im Vorfeld der Olympischen Spiele von 2004. »Mit der weltweiten Rezession fällt die Maske, und Griechenlands Politiker stehen vor einem Dilemma.«

Tatsächlich ist die Lage alles andere alles rosig. Ende November erklärten bei einer Umfrage sechs von zehn griechischen Unternehmern, daß sie die heraufziehende Krise bereits spürten. 40 Prozent schlossen Entlassungen nicht aus. Nach Wachstumsraten, die seit dem Jahr 2000 (mit Ausnahme einer kleinen Delle 2005) stets zwischen 3,8 Prozent und 5,1 Prozent lagen, geht Finanzminister Giorgos Alogoskouphis für das kommende Jahr nur noch von 2,7 Prozent aus. Tatsächlich wird es wohl noch weniger sein, denn Griechenlands Wirtschaft basiert in hohem Maße auf den Sektoren Schiffahrt und Tourismus, die beide von der Flaute im Welthandel und dem Konsumverzicht vieler Verbraucher besonders betroffen sind.

»Griechische Reeder in schwerer See«, titelte das Handelsblatt bereits am 25. November. Die Branche schippere in »eine tiefe Rezession«. Die Erlöse seien »drastisch eingebrochen«. Während im Juli ein Massengutfrachter der Capesize-Klasse mit mehr als 100000 Tonnen Tragfähigkeit noch Charterraten von 95000 Dollar pro Tag erzielte, seien es zur Zeit bestenfalls 5000. »Diese Krise übersteigt alles, was wir bisher erlebt haben«, sagt Giorgos Xiradakis von der Logistikberatungsagentur XRTC.

Handel, Gastgewerbe, Transport und Kommunikation tragen 32,5 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt des Landes bei, sonstige Dienstleistungen weitere 27,2 Prozent, die Industrie hingegen nur magere 13,5 Prozent. Während der gesamte Dienstleistungssektor 2007 um acht Prozent und Finanzdienstleistungen plus Immobilien sogar um 9,7 Prozent wuchsen, kam die Industrie lediglich auf 0,6 Prozent. Die Bereiche Textil und Bekleidung (–10 Prozent), Metallproduktion (–9,1), Unterhaltungselektronik (–22,3) und Schiffbau (–18,1) erlitten sogar massive Einbrüche. Ein untrüglicher Indikator für die stark nachlassende Attraktivität des »Standorts Griechenland« waren auch die ausländischen Direktinvestitionen, deren Bestand von 31,3 Milliarden Euro 2006 auf 4,6 Milliarden im letzten Jahr fiel. Einen ähnlichen Absturz erlebte der Athener Aktienindex ASE General, der sich seit Jahresbeginn von 5000 auf aktuell unter 1900 Punkte reduzierte.

Chronisch in den roten Zahlen ist die Leistungsbilanz, deren Minus Ende 2008 nicht weniger als 16,2 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) betrug. Dahinter verbirgt sich ein Außenhandelsdefizit, das von 27,6 Milliarden Euro 2005 auf 41,5 Milliarden Euro 2007 angewachsen ist. Auch in anderer Hinsicht bestehen deutliche Parallelen zur angeschlagenen US-Ökonomie: Die Staatsverschuldung wird, trotz massiver Privatisierungen und Kürzungen im Sozialbereich, mit 94 Prozent des BIP in der Eurozone nur noch von Italien überboten. Parallel hat sich die Verschuldung der privaten Haushalte in den letzten sieben Jahren von 16,8 auf 93,3 Milliarden Euro mehr als verfünffacht. Und die griechischen Reeder stehen mit 50 Milliarden Euro in der Kreide – Darlehen, die sie zum Ausbau ihrer Flotte aufgenommen haben. Analysten von Merrill Lynch schätzen, daß in den kommenden Monaten jeder zehnte Schiffskredit nicht mehr bedient werden kann. Die Risiken der einheimischen Banken belaufen sich allein in diesem Sektor auf gut acht Milliarden Euro. Um den Banken unter die Arme zu greifen, beschloß die Regierung von Konstantinos Karamanlis Mitte Oktober ein Hilfspaket von 28 Milliarden Euro, obwohl diese angeblich mit »toxischen Produkten« kaum etwas zu tun hätten und sich »in einer gesunden Verfassung« befänden.

Die Masse der elf Millionen Griechen kann von solchen Wohltaten nur träumen. Die meisten Schüler werden in heruntergekommenen Klassenräumen unterrichtet und müssen privaten Nachhilfeunterricht nehmen, um die rigorosen Prüfungen zu bestehen. Der Abschluß bringt dennoch wenig. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 21,4 Prozent und wird in der EU nur von Spanien (25 Prozent) übertroffen. »Für Jugendliche mit Energie und Talent, aber ohne Geld oder Beziehungen ist das Leben hart«, gesteht selbst der Economist ein. Findet sich dann doch irgendwann ein Job, so ist die Bezahlung mehr als prekär. 789 Euro beträgt der Durchschnittslohn derzeit – das ist kaum mehr als in Polen (785 Euro) und deutlich weniger als in Portugal (1080 Euro).

Advertisements

Sorry, the comment form is closed at this time.

 
%d Bloggern gefällt das: