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Against increasing racism and the contempt for mankind in Germany and Europe, against Peoplephobie, against criticism prohibitions, against Nazis

Revolte dauert an

Posted by Botschaft - 12/12/2008

Die Regierung muß weg – starke Polizeikräfte sichern das Parlamentsgebäude in Athen (12. Dezember) Foto: AP

Wer geglaubt oder gehofft hat, die Protestbewegung gegen Polizeigewalt und Wirtschaftskrise in Griechenland kommt allmählich zum Erliegen, der irrt. Fast eine Woche nach den tödlichen Polizeischüssen auf den 15jährigen Schüler Alexis Grigoropoulos gingen auch am Freitag in Athen, Thessaloniki und anderen Städten Tausende auf die Straßen. An der Spitze des Zuges zum Syntagma-Platz, dem Sitz des Parlaments in der griechischen Kapitale, wurde ein großes Transparent mit der Aufschrift »Mörderstaat« getragen. 

Mit täglichen Demonstrationen wollen Studentengruppen und Linksparteien eine Abkehr von der neoliberalen Wirtschaftspolitik und den Rücktritt von Regierungschef Konstantinos Karamanlis erreichen. Außerdem fordern sie die Freilassung aller bei den gewaltsamen Ausschreitungen seit vergangenen Samstag festgenommenen Personen. Die Rebellion soll zukünftig organisierter verlaufen. Brennende Autos und eingeworfene Schaufensterscheiben sollen nicht mehr die Bilder der Protestbewegung prägen.
»Was als ein Ausbruch der Empörung über die Tötung von Alexis begann ist jetzt eine mehr organisierte Form des Protests«, sagte Petros Constantinou, einer der Organisatoren der Freitagsdemonstration und Mitglied der sozialdemokratischen PASOK. Neben ihrer Präsenz auf der Straße besuchten Demonstranten vorübergehend einen privaten Athener Radiosender und verlasen eine Erklärung. In der nordwestgriechischen Stadt Ioannina wurde nach Behördenangaben ein Verwaltungsgebäude kurzzeitig besetzt. In der Hafenstadt Thessaloniki flogen ein paar Steine und Tomaten auf ein Polizeikommissariat. Alles in allem gab es am Freitag – bis jW-Redaktionsschluß – kaum Auseinandersetzungen zwischen Polizei und jugendlichen Aktivisten.

Babis Angourakis, Mitglied des Zentralkomitees der KKE, gab sich gegenüber junge Welt zuversichtlich: »Die Proteste gegen die Regierungspolitik verlaufen immer organisierter – was sich auch wieder bei der Demonstration am Freitag zeigte, an der Tausende junge Leute teilgenommen haben.« Und: »Wir werden in den nächsten Tagen noch so manche kämpferische Aktion erleben. Es geht dabei nicht nur um das Eintreten für die Demokratie und gegen die Polizeiwillkür – die Bildungsmisere wird im Vordergrund stehen.« Nur eine massenhafte, organisierte militante Bewegung werde politische Veränderungen erreichen.

Längst strahlen die Proteste der Griechen aus. In mehreren europäi­schen Ländern gebe es Solidaritätsbekundungen, konstatierte AP am Freitag. »Damit wächst die Sorge, die Proteste in Griechenland könnten für Globalisierungsgegner und von Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit betroffene Jugendliche in ganz Europa zum Beginn einer Rebellion werden.« Es deute einiges darauf hin, warnte die Agentur, daß die Rezession in Europa eine Massenbewegung gegen Sparmaßnahmen und andere von Politik und Wirtschaft eingeleitete Gegenmaßnahmen auslösen könnte. »Das hat es in dieser Form jahrelang nicht mehr gegeben, die Durchschnittsbevölkerung hat die ihr auferlegten Bürden bislang getragen.«

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