Antifaunited

Against increasing racism and the contempt for mankind in Germany and Europe, against Peoplephobie, against criticism prohibitions, against Nazis

Archive for 18. Dezember 2008

ATHEN – Die Unruhen gehen weiter

Posted by Botschaft - 18/12/2008

Alexandros Grigoropoulos (15) war vor 12 Tagen gezielt von einer Polizeikugel getroffen worden. Seither ist in Griechenland nichts mehr wie es war. Der Protest gegen das Vorgehen der Polizei hält an. Und auch gestern gingen trotz strömenden Regens mehrere Hundert Schüler und Studenten im Zentrum von Athen auf die Strasse.
Sie protestierten noch immer gegen die Sicherheitskräfte. Denn am Vorabend sorgte erneut ein Zwischenfall in der Athener Vorstadt Peristeri für neue Spannungen: Ein 16-jähriger Schüler war von einer Kugel an der linken Hand getroffen und leicht verletzt worden. Vom Täter fehlt jede Spur.

Rund um den Tod von Alexandros Grigoropoulos mehren sich die Gerüchte: Griechische Radiosender berichten einerseits – unter Berufung auf «gut informierte Kreise» der Staatsanwaltschaft – der 15-Jährige sei von einem Querschläger getroffen worden.

Andererseits wurde eines klar: Der Polizist, aus dessen Pistole die tödliche Kugel kam, hatte in die Richtung des Jugendlichen geschossen und nicht – wie behauptet – in die Luft. Dies zeige die ballistische Untersuchung.

Eine offizielle Bestätigung dafür gab es nicht. Wie es aus Justizkreisen hiess, werde das endgültige Ergebnis der Untersuchung erst nach dem Ende aller Ermittlungen vorliegen. Dies könnte Monate dauern.

hb1xo8rj_pxgen_rc_500xa500x36900 hb86ufpl_pxgen_r_498x308 hbeyga4y_pxgen_r_477x332 hbndoopx_pxgen_r_496x332 hbz5g3kv_pxgen_r_498x160

Advertisements

Posted in Alexis Grigoropoulos, Griechenland, Polizei, Widerstand | Verschlagwortet mit: , , | Kommentare deaktiviert für ATHEN – Die Unruhen gehen weiter

Wieder Schüsse in Athen

Posted by Botschaft - 18/12/2008

16jähriger bei Demonstrationsvorbereitung durch Unbekannte angegriffen. Proteste gegen Polizeigewalt 

Unbekannte haben am Mittwoch abend in Athen auf Mitglieder der kommunistischen Schülerorganisation SASA geschossen. Dabei wurde der 16jährige Giorgos Paplomatas, Sohn eines Vorstandsmitglieds der kommunistisch orientierten Gewerkschaftsfront PAME, durch eine Kugel an der Hand verletzt. Die Schüler wurden angegriffen, als sie auf dem Gehweg Transparente für eine Demonstration erstellten. Die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) verurteilte die Attacke scharf. »Der mörderische Angriff gegen die organisierte Schülerbewegung und ihre gewählten Organe wird seine Antwort im Kampf um Bildung finden und im Zusammenschluß gegen Repression jeder Art«, heißt es in einer Erklärung vom Donnerstag. Die KKE macht die Regierung von Konstantinos Karamanlis politisch verantwortlich für den Anschlag und fordert eine vollständige Aufklärung. Auch die Linksallianz SYN veruden Anschlag und sieht die Verantwortung bei der Regierung.

Eine Gruppe von etwa 70 Aktivisten hält sei Mittwoch die Zentrale der Gewerkschaftsdachverbandes GSEE besetzt. Die »Generalversammlung Aufständischer Arbeiter«, deren Initialen auf griechisch ebenfalls die Abkürzung GSEE ergeben, fordert die sofortige Freilassung aller während der letzten Tage festgenommenen Protestierer, Selbstorganisierung der Arbeiter und einen Generalstreik. Als »falsches Ziel« bezeichnete der Vorsitzenden der GSEE, G. Panagopoulos die Besetzung. Anstatt es mit den Herrschenden aufzunehmen, die für die Probleme verantwortlich seien, habe man ein leichtes Ziel wie die Gewerkschaft gewählt.

In zwei großen Demonstrationen gingen am Donnerstag in Athen Schüler und Studierende in Erinnerung an den am 6. Dezember erschossenen 15jährigen Alexis Grigoropoulos auf die Straße. Am Abend kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Posted in Alexis Grigoropoulos, Griechenland, Polizei, Widerstand | Verschlagwortet mit: , | 1 Comment »

Keine Ruhe in Griechenland

Posted by Botschaft - 18/12/2008

Eine Woche lang wurde Griechenland von Unruhen erschüttert. Die Straßenschlachten sind vorbei, der soziale Protest dauert an

Auf den ersten Blick scheint von der größten Protestbewegung seit dem Ende der Militärdiktatur in Griechenland 1974 nur wenig geblieben. Nach dem gewaltsamen Tod des 15-jährigen Schülers Alexandros Grigoropoulos durch eine Polizeikugel in der Nacht zum 7. Dezember waren im ganzen Land Unruhen ausgebrochen. Aus spontanen Protesten gegen den mutmaßlichen Mord in Athen entwickelte sich binnen weniger Tage eine landesweite Protestbewegung mit sozialen Forderungen.

In der zweiten Woche nach der Bluttat hat sich die Lage in dem Mittelmeerstaat scheinbar beruhigt. Auf der Platía Aristotelous, dem Aristoteles-Platz im Herzen von Thessaloniki, treffen sich junge Frauen nach dem Einkaufsbummel auf einen Kaffee, in der nahen Egnatía-Straße läuft das Weihnachtsgeschäft wie eh und je.

Doch der Aufruhr ist auch an dieser zweitgrößten Stadt Griechenlands nicht spurlos vorbeigegangen. »Arbeit, Shoppen und dann nach Hause. Das ist nicht unser Leben« – hastig wurde diese Parole auf die Wand neben einer Filiale der Nobelmarke Gucci gesprüht. »Die Banken dem Volk« ist in schwarzen Lettern auf der gläsernen Schwingtür einer Vertretung der Ethnikí Trapeza, der Nationalbank, zu lesen.

Auf den zweiten Blick, so wird klar, ist die Normalität in Griechenland nur oberflächlich wieder eingekehrt. Darunter gären die Proteste weiter.

Eingestellt auf lange Auseinandersetzung
Einen Häuserblock von der Platía Aristotelous entfernt halten Studenten die Journalistik-Fakultät der städtischen Universität besetzt. »Katálipsi 11« steht auf dem Transparent über der Eingangstür des klassizistischen Baus – »Besetzung Nummer elf«. Allein in Thessaloniki sind rund 20 Einrichtungen der Hochschule von den Demonstranten eingenommen worden. Im ganzen Land setzten sich solche Proteste gegen die Bildungsmisere und den Mangel an Perspektiven für die Jugend in rund 150 Universitäten fort, über 600 Schulen sind besetzt. Schüler und Studenten haben sich auf eine lange Auseinandersetzung eingestellt. In den Medien findet dieser Protest bislang nur wenig Widerhall. Die Besetzungen der Lehreinrichtungen und die friedlichen Demonstrationen liefern offenbar zu wenig spektakuläre Bilder.

Für Jannis Bakaloudis hat der wirkliche Widerstand gegen Misswirtschaft und Korruption im Staatsapparat erst begonnen. Der junge Mann gehört zu einer Gruppe Jugendlicher und Dozenten, die im Foyer der Journalistik-Fakultät einen Streikposten errichtet haben. »In ganz Griechenland haben sich Studenten und Schüler dieser Bewegung angeschlossen«, sagt er. In Thessaloniki und anderen Städten sind die Besetzungen von den Studentenparlamenten beschlossen worden. »Das ist wichtig«, betont Bakaloudis, »weil es belegt, dass wir Teil einer demokratisch legitimierten Massenbewegung sind.« Hinter dem Eingang zum Gebäude stapeln sich die Flugblätter für die kommenden Straßenproteste. Die Studenten sitzen bei Kaffee zusammen, diskutieren.

»Die Stimmung ist deutlich entschlossener als in den vergangenen Jahren«, sagt Bakaloudis, »denn uns allen ist klar: Zum ersten Mal seit Jahrzehnten wird es unserer Generation schlechter gehen als den vorherigen.« Diese Erkenntnis macht Angst, sagt er. Sie mobilisiert aber auch.

Während selbst Akademiker wie Bakaloudis unsicherer Zukunft entgegensehen, wechseln in der Staatsführung die Korruptions-skandale einander ab. Siemens hat in Athen Staatsbedienstete bestochen, Gelder aus der kargen Rentenkasse wurden für Spekulationsgeschäfte verwendet und zuletzt kam ein betrügerischer Grundstückshandel zwischen dem Vatopedi-Kloster auf dem Berg Athos und dem Finanzministerium ans Licht. »Wenn man all das erlebt und zugleich die Verfehlungen in der Bildungs- und Sozialpolitik zu spüren bekommt, fühlt man sich mehr als hilflos«, sagt Bakaloudis.

Erste Forderung: Weg mit der Staatsführung
Die Studenten haben inzwischen konkrete Forderungen aufgestellt: An erster Stelle steht der Rücktritt der konservativen Staatsführung von Kostas Karamanlis, »der schlechtesten Regierung in der jüngeren Geschichte dieses Landes«, wie der Journalistikstudent bekräftigt. In Thessaloniki und Athen treten die jungen Leute zudem für eine Bildungsreform sowie mehr Staatsgelder für Schulen und Universitäten ein. Derzeit sind in Griechenland 2,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Bildung vorgesehen – so wenig wie in keinem anderen der 29 Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Als diese Woche in der Hauptstadt erneut Tausende Schüler und Studenten auf die Straße gingen, forderten sie zudem die Auflösung der Spezialkräfte der Polizei zur Aufstandsbekämpfung. Die sogenannten MAT-Einheiten hatten in den vergangenen Tagen wiederholt friedliche Demonstrationen mit Knüppeln und Tränengas attackiert.

Die Todesschüsse auf den Schüler in Athen waren »der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat«, sagt auch Zachos Kamenídis. Gemeinsam mit einem Schwager führt er eine Klempnerfirma in der Vorstadt Evosmos nahe Thessaloniki. Sein jüngerer Bruder Christodoulos ist in das Geschäft eingestiegen, nachdem er unlängst aus einem technischen Betrieb entlassen wurde. »Eine Folge der Wirtschaftskrise«, wie er meint. Wie viele andere verweist auch sein Bruder Zachos auf die verschleppten sozialen Probleme. »Die meisten Leute hier schlagen sich mit 600 oder 700 Euro durch«, sagt er. Vom Staat sei wenig zu erwarten. Für seine drei kleinen Kinder bekommt er im Monat gerade einmal 250 Euro Unterstützung. Als seine Frau zuletzt schwanger war, musste sie allein für eine Ultraschalluntersuchung in einer Privatpraxis 140 Euro bezahlen. In einem der staatlichen Krankenhäuser Thessalonikis war eine solche Untersuchung nicht zu haben. »Viele Ärzte bieten dort nur eine Minimalversorgung, um einen dann am Nachmittag gegen Bares in ihre eigene Praxis zu bestellen«, sagt Zachos Kamenídis.

Es sind solche Erfahrungen, aus denen sich in Griechenland die Rebellion gegen die herrschenden Verhältnisse speist. Laut einer Umfrage sehen 60 Prozent der Bevölkerung in den massiven Protesten nach dem mutmaßlichen Mord an Alexandros Grigoropoulos eine »soziale Erhebung«. Die konservative Regierungspartei Nea Dimokratía (Neue Demokratie) hat zugleich erheblich an Rückhalt verloren – selbst unter den eigenen Wählern. Nach jüngsten Umfragen liegt sie inzwischen bis zu sechs Prozentpunkte hinter der linksliberalen PASOK, der zweiten großen Partei des Landes. Allerdings betrifft der Vertrauensverlust das gesamte politische System. Nach einer weiteren Umfrage der Zeitungen »Proto Thema« und »Real News« sind 37 Prozent der Griechen unentschlossen, wem sie im Fall der derzeit viel geforderten Neuwahlen ihre Stimme geben würden. Ein Rekordwert seit dem Sturz der Militärjunta 1974.

Für Studenten wie Jannis Bakaloudis liegt die Perspektive deswegen in den sozialen Bewegungen. Er erinnert an den Aufstand der Studenten im Polytechnion, der Nationalen Technischen Universität Athen, mit dem im November 1973 das Ende der Militärdiktatur eingeleitet wurde. »Heute haben wir viele Polytechnions geschaffen«, sagt er, als er über die derzeit besetzen Universitäten spricht. Nicht ohne Stolz verweist der Journalistikstudent auf vergangene Erfolge der Jugendproteste. Als sich die Regierung von Kostas Karamanlis nach Amtsantritt im März 2004 daran machte, das staatliche Bildungssystem noch weiter zu privatisieren, hatte es schon einmal einen Aufstand der Schüler und Hochschüler gegeben. Heute ist das Vorhaben vom Tisch.

Jugendliche sindstark politisiert
Nun geht es den Jugendlichen in Griechenland um weiterführende Reformen. Bakaloudis jedenfalls ist zuversichtlich. Ende vergangener Woche habe er am Rande einer Demonstration in Thessaloniki für einen kurzen Film Interviews mit Schülern gemacht. »Das Niveau der Politisierung bei diesen 14- und 15-jährigen war unglaublich«, erinnert er sich. Das zeige, dass die Regierenden nun vor der Wahl stehen. »Entweder sie geben uns eine Zukunft oder wir nehmen diese Aufgabe in die eigenen Hände.«

Posted in Alexis Grigoropoulos, Griechenland, Polizei, Widerstand | Verschlagwortet mit: , , | Kommentare deaktiviert für Keine Ruhe in Griechenland

MDR zu Gegendarstellung und Unterlassung verpflichtet

Posted by Botschaft - 18/12/2008

Pressemitteilung
18.12.2008 –

„Es war zu erwarten, dass sich die Versuche im Immunitätsausschuss, eine neue Untersuchung gegen Gregor Gysi vom Zaune zu brechen als reines Wahlkampfgetöse erweisen“, kommentiert der Sprecher der Fraktion DIE LINKE, Hendrik Thalheim die heutige Entscheidung des Ausschusses für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung. „Die Behauptung der parteipolitisch geprägten gegnerischen Ausschussmehrheit, dass es bei der Feststellung einer inoffiziellen Tätigkeit von Gregor Gysi für das MfS bleibe, wird auch durch ständige Wiederholung nicht richtig.“ Thalheim weiter:

„Die Ausschussmehrheit lässt bei ihrem erneuten ungesetzlichen Vorurteil vollkommen außer Acht, dass ihre Bewertung vor keinem Gericht Bestand hatte. Erst heute hat das Oberlandesgericht Dresden den Mitteldeutschen Rundfunk zu drei Gegendarstellungen in der nächsten ‚Fakt’-Sendung verurteilt, nachdem der MDR zuvor in drei Fällen bereits vom Landgericht Hamburg zur Unterlassung von Behauptungen verpflichtet worden ist, die den Eindruck erwecken, Gregor Gysi habe im Fall Havemann wissentlich und willentlich mit der Staatssicherheit der ehemaligen DDR zusammengewirkt.

Die Urteile der unabhängigen Gerichtsbarkeit machen immer wieder deutlich, dass alle parteipolitischen Versuche, Gregor Gysi eine Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit der DDR anzudichten, zum Scheitern verurteilt sind.“

Posted in Allgemein | Kommentare deaktiviert für MDR zu Gegendarstellung und Unterlassung verpflichtet

Nazi legt Geständnis ab

Posted by Botschaft - 18/12/2008

Kevin S. (r.) gestern im Gerichtssaal Foto: dpa/Christine Reinckens/HNA

Prozessbeobachter bezweifeln Version des spontanen Angriffs auf Zeltlager linker Jugendlicher
Es ist kurz vor acht Uhr morgens. Sieben Neonazis fahren zum Zeltplatz am hessischen Neuenhainer See, zwei von ihnen klettern über den Zaun und beginnen, die noch schlafenden Teilnehmer des solid-Sommercamps der Jugendorganisation der LINKEN zu terrorisieren, während der Rest draußen Autos demoliert. Kevin S. betritt mit einem Klappspaten und einer Glasflasche bewaffnet das Zelt einer 13-Jährigen und ihres Bruders, schlägt auf beide ein. Das Mädchen erleidet schwere Kopfverletzungen, überlebt aber ebenso wie ihr Bruder. Das geschah am 20. Juli, seit gestern steht Kevin S. in Kassel vor Gericht.

»Ich bereue die Tat, es tut mir sehr leid«, sagt der geständige 19-jährige Angeklagte während seiner zweistündigen Befragung vor dem Landgericht. Er sei betrunken gewesen, wollte Linke aufmischen, hätte die Tat aber nicht geplant. Prozessbeobachter Hermann Schaus glaubt ihm nicht: »Für mich war das ein Mordanschlag«, so der hessische Landtagsabgeordnete der LINKEN. Dass sich sieben Rechtsradikale früh um sechs zufällig getroffen hätten, um ein Zeltlager von Linken anzugreifen, das der Angeklagte wenige Tage zuvor noch fotografiert hatte, sei unglaubwürdig. »Hier sollen Leute geschützt werden«, mutmaßt Schaus.

Zunächst war die Staatsanwaltschaft nur von gefährlicher Körperverletzung ausgegangen. Das hatte landesweit Empörung hervorgerufen. Mittlerweile schließen Staatsanwaltschaft und Gericht eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags oder sogar Mordes nicht mehr aus. Die Frage des Vorsatzes muss nun geklärt werden. Dafür soll bereits am Montag der erste Zeuge aussagen. Insgesamt sind sechs Verhandlungstage angesetzt und ein Urteil könnte bereits am 12. Januar gesprochen werden.

Für Hermann Schaus belegt die Tat die Notwendigkeit eines NPD-Verbots, das nach dem Attentat auf den Passauer Polizeichef, Alois Mannichl, wieder diskutiert wird. Kevin S. soll enger Verbündeter des früheren hessischen NPD-Vorsitzenden Marcel Wöll sein. Sein Verteidiger Dirk Waldschmidt stand bei den letzten Landtagswahlen auf Platz zwei der NPD-Landesliste. Es könne niemand mehr abstreiten, dass es organisierte rechte Strukturen gebe, so Schaus. Zu deren Methoden gehörten Einschüchterungen, Drohungen und direkte Gewalt. »In Hessen haben sich Freie Kameradschaften, die für ihr aggressives Verhalten bekannt sind, in der Führungsebene der NPD breit gemacht.«

Von dem Prozess erhoffen sich die Beobachter Aufklärung über die Strukturen rechtsradikaler Organisationen. Schon im Rahmen der Aussagen von Kevin S. bekommt Schaus einen Blick in die Denkweise der Neonazis: »Er wurde geschult, wie er mit der Polizei umgehen soll. Er erzählt vor Gericht, dass er Gewalt gegen Sachen befürworte, aber nicht gegen Menschen, und dann schlägt er auf ein Mädchen ein. Ich finde das erschreckend.«

Von den sieben Tätern sind nur vier bekannt und angeklagt. Kevin S. behauptet, seine Begleiter nicht zu kennen. Es bleibt abzuwarten, ob auch das Gericht dieser Aussage keinen Glauben schenkt.(ND)

Posted in Allgemein | Verschlagwortet mit: | Kommentare deaktiviert für Nazi legt Geständnis ab

Ein Akt politischer Willkür

Posted by Botschaft - 18/12/2008

Bei der Saarbahn sollte die LINKE ausgebremst werden. Foto. Saarbahn

In knapp neun Monaten wird im Saarland gewählt. Umfragen zufolge liegt die LINKE derzeit mit 23 Prozent nur knapp hinter der SPD als noch drittstärkste Kraft. Doch die Angst vor der LINKEN scheint umzugehen an der Saar – beispielsweise bei den Saarbrücker Versorgungs- und Verkehrsbetrieben (VVS).
Im Juni waren mit einem Schlag 220 der 300 Bus- und Straßenbahnfahrer der VVS-Tochter »Saarbahn« zur LINKEN übergetreten. Kurz darauf hatte die VVS-Geschäftsführung sechs Betriebsräten die fristlose Kündigung ausgesprochen. Der Betriebsrat wollte den Entlassungen natürlich nicht zustimmen. Seitdem wird der Fall vor dem Arbeitsgericht ausgetragen. Im Februar steht dort der nächste Termin an.

Die Saarbahn wirft den sechs Arbeitnehmer-Vertretern vor, während ihrer Arbeitszeit Werbung für die LINKE gemacht zu haben. Dabei soll auch Druck auf die Kollegen ausgeübt worden sein. Das Unternehmen beruft sich vor allem auf zwei Angestellte: Harald Werle und Thomas Maas. Jetzt haben aber die beiden Hauptbelastungszeugen ihre Aussagen gegen Betriebsratschef Jung widerrufen – in einem offenen Brief an alle Saarbahn-Mitarbeiter, der dem ND vorliegt.

Sie erheben stattdessen schwere Vorwürfe gegen Peter Edlinger, den Geschäftsführer des Saarbrücker VVS-Konzerns, zu dem die Saarbahn gehört: »Herr Edlinger hatte uns dazu animiert, in den Medien deutliche Vorwürfe gegen Herrn Jung zu erheben«, heißt es in dem Schreiben. Mehr noch: Dass Betriebsratschef Jung die Kollegen »massiv unter Druck gesetzt und genötigt« habe, der LINKEN beizutreten, wollen die beiden niemals gesagt haben – »frei erfunden«. Offenbar hatte damit »eine besondere Schärfe in den Fall gebracht werden« sollen, vermuten sie. Sie selbst haben die Geschäftsführung bereits gebeten, die Kündigungen rückgängig zu machen und sprechen von einem »Wahnsinn«, der endlich beendet werden müsse.

Edlinger und sein Mit-Geschäftsführer Dieter Attig widersprechen pflichtschuldig. Tatsächlich hätten Werle und Maas ihre Zeugenaussagen »in freien Stücken im Beisein eines Rechtsanwalts und weiterer Personen« gemacht. Es sei doch schließlich auch »verwunderlich«, dass beide jetzt, nach fast drei Monaten, plötzlich ihre Aussagen zurückziehen. Edlinger und Attig vermuten einen ganz eigenen Deal der beiden: Sie sollen nur widerrufen haben, damit im Gegenzug Betriebsratschef Jung eine Anzeige und eidesstattliche Erklärungen gegen sie zurücknimmt.

Gut möglich, dass nie endgültig herauskommt, wer denn nun wann die Wahrheit gesagt hat. Allerdings sind Edlinger und Attig selbst schuld daran, dass sich der Streit längst zu einem handfesten Skandal ausgeweitet hat. Denn immerhin ist ihr Unternehmen, die VVS, ein städtisches Unternehmen und außerdem nahm der Konflikt zwischenzeitlich bizarre Züge an: So hatte das Unternehmen dem Betriebsratschef im Oktober erneut die fristlose Kündigung ausgesprochen. Begründung: Er soll eine Mail von ver.di-Sprecher Oleynik unkommentiert an fünf Saarbahn-Mitarbeiter weitergeleitet haben. Zuvor hatte das Unternehmen einem anderen der Betriebsräte erneut kündigen wollen, weil er zu einem Kollegen »Platzpatrone« gesagt haben soll.

Eine »Ungeheuerlichkeit« nennt Bernd Oleynik den Vorgang jetzt. Der Sprecher der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di im Saarland meint: »Das sind Sachen, mit denen man natürlich in einer Demokratie nicht rechnen kann – dass so von einem Arbeitgeber vorgegangen wird.« Er fordert jetzt von der VVS, die Kündigungen schnellstens rückgängig zu machen. Ihm jedenfalls seien keine weiteren Zeugen mehr bekannt, »die inhaltlich Vorwürfe erheben, die von irgendeiner Relevanz sein könnten«. Durch den Widerruf der beiden Hauptzeugen seien die Behauptungen des Unternehmens »in sich zusammengefallen«. Auch von Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) fordert er Konsequenzen. Denn Britz ist Chefin des VVS-Aufsichtsrates. »Wenn das so ist, wie von den Zeugen behauptet, muss man auch über die Zukunft des Vorstandes nachdenken«, erklärte der ver.di-Sprecher.

Die LINKE im Saarland fühlt sich bestätigt. Jetzt zeige sich, dass die Gründe für die Entlassungen »an den Haaren herbeigezogen« seien, erklärt Landeschef Rolf Linsler. Er spricht von einem »Akt politischer Willkür«. Schließlich ist Saarbahn-Geschäftsführer Edlinger CDU-Mitglied. Ein sofortiger Rücktritt Edlingers und des zweiten Saarbahn-Chefs, des Sozialdemokraten Dieter Attig, sei »unumgänglich« so Linsler. Wer Aussagen in einem Gerichtsverfahren frei erfinde, der sei nicht mehr tragbar.(ND)

Posted in Menschenverachtung | 1 Comment »