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Nazi legt Geständnis ab

Posted by Botschaft - 18/12/2008

Kevin S. (r.) gestern im Gerichtssaal Foto: dpa/Christine Reinckens/HNA

Prozessbeobachter bezweifeln Version des spontanen Angriffs auf Zeltlager linker Jugendlicher
Es ist kurz vor acht Uhr morgens. Sieben Neonazis fahren zum Zeltplatz am hessischen Neuenhainer See, zwei von ihnen klettern über den Zaun und beginnen, die noch schlafenden Teilnehmer des solid-Sommercamps der Jugendorganisation der LINKEN zu terrorisieren, während der Rest draußen Autos demoliert. Kevin S. betritt mit einem Klappspaten und einer Glasflasche bewaffnet das Zelt einer 13-Jährigen und ihres Bruders, schlägt auf beide ein. Das Mädchen erleidet schwere Kopfverletzungen, überlebt aber ebenso wie ihr Bruder. Das geschah am 20. Juli, seit gestern steht Kevin S. in Kassel vor Gericht.

»Ich bereue die Tat, es tut mir sehr leid«, sagt der geständige 19-jährige Angeklagte während seiner zweistündigen Befragung vor dem Landgericht. Er sei betrunken gewesen, wollte Linke aufmischen, hätte die Tat aber nicht geplant. Prozessbeobachter Hermann Schaus glaubt ihm nicht: »Für mich war das ein Mordanschlag«, so der hessische Landtagsabgeordnete der LINKEN. Dass sich sieben Rechtsradikale früh um sechs zufällig getroffen hätten, um ein Zeltlager von Linken anzugreifen, das der Angeklagte wenige Tage zuvor noch fotografiert hatte, sei unglaubwürdig. »Hier sollen Leute geschützt werden«, mutmaßt Schaus.

Zunächst war die Staatsanwaltschaft nur von gefährlicher Körperverletzung ausgegangen. Das hatte landesweit Empörung hervorgerufen. Mittlerweile schließen Staatsanwaltschaft und Gericht eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags oder sogar Mordes nicht mehr aus. Die Frage des Vorsatzes muss nun geklärt werden. Dafür soll bereits am Montag der erste Zeuge aussagen. Insgesamt sind sechs Verhandlungstage angesetzt und ein Urteil könnte bereits am 12. Januar gesprochen werden.

Für Hermann Schaus belegt die Tat die Notwendigkeit eines NPD-Verbots, das nach dem Attentat auf den Passauer Polizeichef, Alois Mannichl, wieder diskutiert wird. Kevin S. soll enger Verbündeter des früheren hessischen NPD-Vorsitzenden Marcel Wöll sein. Sein Verteidiger Dirk Waldschmidt stand bei den letzten Landtagswahlen auf Platz zwei der NPD-Landesliste. Es könne niemand mehr abstreiten, dass es organisierte rechte Strukturen gebe, so Schaus. Zu deren Methoden gehörten Einschüchterungen, Drohungen und direkte Gewalt. »In Hessen haben sich Freie Kameradschaften, die für ihr aggressives Verhalten bekannt sind, in der Führungsebene der NPD breit gemacht.«

Von dem Prozess erhoffen sich die Beobachter Aufklärung über die Strukturen rechtsradikaler Organisationen. Schon im Rahmen der Aussagen von Kevin S. bekommt Schaus einen Blick in die Denkweise der Neonazis: »Er wurde geschult, wie er mit der Polizei umgehen soll. Er erzählt vor Gericht, dass er Gewalt gegen Sachen befürworte, aber nicht gegen Menschen, und dann schlägt er auf ein Mädchen ein. Ich finde das erschreckend.«

Von den sieben Tätern sind nur vier bekannt und angeklagt. Kevin S. behauptet, seine Begleiter nicht zu kennen. Es bleibt abzuwarten, ob auch das Gericht dieser Aussage keinen Glauben schenkt.(ND)

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