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Angst?

Posted by Botschaft - 15/01/2009

Die Aufregung um die Mitgliedschaft von NPD-Chef Udo Voigt im Bundeswehrverband ist unglaubwürdig. Von alten Nazis hat sich die Armeeführung nie ganz distanziert

AP

Blutspur der Gebirgsjäger: In München protestieren Menschen gegen die Legende von der sauberen Wehrmacht (September 2008) Foto: AP

Der Skandal ist nicht gerade neu. Seit immerhin 25 Jahren ist der NPD-Vorsitzende Udo Voigt Mitglied im Deutschen Bundeswehrverband, einer Organisation aktiver und ehemaliger Soldaten. Im Jahr 1984 mußte Voigt die Bundeswehr verlassen, nachdem er sich geweigert hatte, aus der neofaschistischen NPD auszutreten. Doch seitdem duldet der Bundeswehrverband den NPD-Chef, der den militärischen Rang eines Hauptmanns der Reserve bekleidet, in seinen Reihen. Nun ist Christian Schmidt, Staatssekretär im Verteidigungsministerium, auf Voigt aufmerksam geworden und befürchtet anscheinend einen Imageschaden für seine Truppe. Dem CSU-Mitglied Schmidt sei »der Kragen geplatzt«, meldete vor wenigen Tagen die Bild-Zeitung.
Reichlich spät. Denn Voigt brüstet sich in Interviews seit Jahren mit seinem Reservistendasein. Der Deutsche Bundeswehrverband sieht jedoch keine Möglichkeit, sich von Voigt zu trennen, und auch das Verteidigungsministerium hat nach eigenen Angaben bislang keine Handhabe gefunden, dem NPD-Chef seinen Status als Reserveoffizier abzuerkennen. Mitglieder des Arbeitskreises »Darmstädter Signal«, einem Zusammenschluss kritischer Offiziere und Unteroffiziere bei der Bundeswehr, die sich der Friedensbewegung verbunden sehen, vermuten dagegen Kalkül hinter den Argumenten von Bundeswehrverband und Verteidigungsministerium. Rechte Verbandsmitglieder, so die Organisation, sollen mit einem Ausschluß von Voigt nicht verärgert werden.

Von denen gibt es anscheinend einige. Und das ist nicht mal überraschend, wenn sogar die Bildungsvereinigung des Bundeswehrverbandes, die Karl-Theodor-Molinari-Stiftung, nach einem hohen Wehrmachtsoffizier benannt ist. Generalmajor Molinari (1915–1993), der zunächst in der Armee des faschistischen Deutschlands und später in der Bundeswehr gedient hatte, wurde in Frankreich in Abwesenheit wegen Kriegsverbrechen zum Tode verurteilt. Am 13. Juni 1944 sollen Soldaten seiner Panzerabteilung französische Widerstandskämpfer gefangengenommen und in einem Wald in den Ardennen erschossen haben.

Der positive Bezug auf Teile der Wehrmacht gehört – trotz gegenteiliger Behauptungen – zum festen Repertoire der Bundeswehr. So ist Staatssekretär Schmidt, der sich jetzt scheinbar so vehement gegen den NPD-Vorsitzenden Voigt engagiert, Mitglied im Traditionsverband »Kameradenkreis der Gebirgstruppe«. Für Schmidt kein Widerspruch. »Die Gebirgstruppe hat keine verbrecherische Vergangenheit«, behauptete Schmidt auf eine Anfrage der Partei Die Linke im Bundestag. Der Publizist Hermann Frank Meyer, der zahlreiche Bücher über die Geschichte der Wehrmacht veröffentlichte, kommt zu einem anderem Schluß. Seine Forschungen hätten ergeben, daß zahlreiche Kriegsverbrechen von Soldaten der Gebirgstruppe begangen wurden, schreibt Meyer im 2008 veröffentlichten Buch »Blutiges Edelweiß«, dessen Titel auf das Divisionsabzeichen der 1. Gebirgsdivision anspielt. Elf Jahre nach Kriegsende stellte die Bundeswehr die Elitetruppe unter gleichem Namen wieder auf. Beteiligt an der Renaissance der Gebirgsjäger seien auch ehemalige Führungskräfte der Wehrmacht gewesen, so Meyer.

Angesichts einer solchen Tradition wirkt Schmidts Empörung reichlich unglaubwürdig. Zumal man bei der Bundeswehr mit kritischen Soldaten aus dem politisch linken Spektrum bislang weniger zimperlich umging. Wer etwa Anfang der achtziger Jahre als Soldat gegen den sogenannten NATO-Doppelbeschluß, der die Stationierung zusätzlicher US-Raketen in Westeuropa vorsah, protestierte, wurde in der Regel »unehrenhaft« aus der Truppe entlassen. Ebenso wie einige Bundeswehrangehörige, die am jährlichen Gedenken »Blumen für Stukenbrock« teilnahmen. Mit der Veranstaltung wird seit über vierzig Jahren an die 65000 sowjetischen Soldaten erinnert, die zwischen 1941 und 1945 von deutschen Soldaten im Kriegsgefangenenlager nahe der ostwestfälischen Ortschaft Stukenbrock umgebracht wurden.

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