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Nazis vs. Hells Angels

Posted by Botschaft - 03/02/2009

In Kiel wird derzeit gegen den früheren NPD-Funktionär Peter Borchart verhandelt. Der Neonazi soll zwei Mitglieder der Hells Angels niedergestochen haben

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Rocker, Neonazis und Polizisten prägten am Montag die Szene im Kieler Landgericht Foto: AP

Schreck in der Abendstunde für die Besucher des Freizeitbades Holstentherme in Kaltenkirchen im Kreis Segeberg: Zwei breitschultrige Männer, ganz in schwarz, maskiert, lauern auf dem Parkplatz einem Besucher und seiner Begleiterin auf. Ein halbes Dutzend Schüsse; der Mann überlebt schwer verletzt.
Das Opfer gehört offenbar zur rechten Szene, und bei der Tat könnte es sich um einen Racheakt handeln. Am Montag sollte der Mann als Zeuge vor dem Kieler Landgericht aussagen. Dort begann der Prozeß gegen Peter Borchert, den ehemaligen Landesvorsitzenden der schleswig-holsteinischen NPD. Bei einer Prügelei zwischen Neonazis und Hells Angels soll Borchert im Sommer 2008 zwei Rocker mit dem Messer verletzt haben.

Die Fehde zwischen der eng mit dem Rotlicht-Milieu verflochtenen Rocker-Bande und sogenannten »Autonomen Nationalisten« wurde bereits Anfang März 2007 mit einer Schlägerei in der Diskothek »Mausefalle« öffentlich. Schon damals blitzten Messer. Dennis K., Besitzer eines Kieler Tätowierstudios und Hells Angel, bekam seinerzeit einen lebensgefährlichen Stich in die Leber ab. Bei der Gerichtsverhandlung im August vergangenen Jahres gingen mehrere Dutzend Anhänger beider Lager vor dem Amtsgericht Kiel erneut aufeinander los.

Dabei wurde Hells Angel Dennis K. zum zweiten Mal Opfer einer Messerattacke. Für diesen Angriff muß sich Borchert derzeit wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Borchert, Jahrgang 1973, gehört seit 1989 zur rechten Szene. NPD-Landeschef im Norden war er von 2000 bis 2003, heute bekennt er sich zu den Autonomen Nationalisten, einer gewaltbereiten Strömung, die sich der Aktionsformen linksradikaler Autonomer bedient. Borcherts Ansichten sind selbst für Neonazis krude, er bezeichnet sich als »permanentnationalrevolutionären Anarchisten«.

Während die NPD in Schleswig-Holstein enge Verbindungen zu Neonazis unterhält und als radikalster Landesverband der neofaschistischen Partei gilt, war der Bundes-NPD ihr Mitglied Borchert zu unberechenbar. 2003 schloß ihn die Partei aus. Kurz darauf wurde Borchert im Zuge von Ermittlungen gegen einen norddeutschen Ableger der britischen Neonazi-Terrorgruppe Combat 18 festgenommen. Er soll die Gruppe, die unter anderem Schutzgeld in der Rechtsrockszene erpreßte, mit Waffen versorgt haben.

Die Auseinandersetzung zwischen Rockern und Rechten resultiert wohl kaum aus ideologischen Differenzen. Im Gegenteil: Berührungspunkte zwischen Angels und Neonazis gibt es einige in Deutschland. So wurden bei konspirativen Rechtsrockkonzerten Rocker als Ordner gesichtet. Borchert soll die Angels jahrelang mit Waffen und Drogen versorgt haben.

Tatsächlich saß Borchert einige seiner zirka zehn Jahre im Gefängnis wegen Waffenhandels ab. Geschäfte mit Drogen und Waffen dürften auch den Hells Angels nicht fremd sein. Bei der Schlägerei in der »Mausefalle« im März soll es Szeneinformationen zufolge um Differenzen über fällige Schulden gegangen sein.

Der Prozeß gegen den Ex-NPD-Mann Borchert begann am Montag in gespannter Atmosphäre im besonders gesicherten Saal 132 des Landgerichts. Die Behörden hatten höchste Sicherheitsstufe angeordnet, um erneute Auseinandersetzungen zu verhindern. Borchert, der in Handschellen vorgeführt wurde, verweigerte die Aussage. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, Dennis K. und einen weiteren Mann gezielt niedergestochen zu haben. Ein Polizeizeuge stellte allerdings die Hells Angels als Angreifer dar: Etwa acht Rocker hätten »wie wahnsinnig« auf rund 20 vor dem Amtsgericht wartende Männer eingeschlagen. Der Prozeß wird am morgigen Donnerstag fortgesetzt.

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