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Antifaschistische Filme in der jW-Ladengalerie

Posted by Botschaft - 10/02/2009

»Wer möchte nicht im Leben bleiben« Foto: DEFA-Stiftung

In der Ladengalerie der jungen Welt in der Torstraße läuft ab heute eine Filmreihe »Antifaschistisches Kino in der DDR – Staatsauftrag oder Filmkunst«. Gezeigt und diskutiert werden fünf DEFA-Filme, die sich diesem Genre zuordnen lassen: »Sie nannten ihn Amigo«, »Rotation«, »Jakob der Lügner«, »Ich war 19«, »Dein unbekannter Bruder«. Im Anschluß an die Vorführungen wird es Gelegenheit zu Gesprächen zwischen Publikum und mitwirkenden Schauspielern, Autoren und Filmwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern geben.
Eine antifaschistische Haltung war in der DDR Konsens, weshalb später in Westmedien oft auch die Rede vom »verordneten Antifaschismus« war. Der Begriff »verordnet« läßt im Kunstbereich auf Figurenklischees schließen, tatsächlich jedoch sind diese Filme künstlerisch oft sehr ambitioniert. Zweifellos kam dies der SED zupaß.

»Sie nannten ihn Amigo« (1959) eröffnet die Filmreihe. Exemplarisch sind in ihm Stärken und Schwächen des antifaschistischen Genres vereint. Es handelt sich um die Verfilmung eines in der DDR vielgelesenen Kinderbuchs, das die Geschichte des halbwüchsigen Amigo erzählt, der 1939 beim Spielen auf dem heimatlichen Hinterhof den entflohenen politischen KZ-Häftling Pepp trifft. Amigo hilft ihm heimlich und verpflichtet andere zum Schweigen. Doch Amigo wird verraten, verhaftet und ins KZ verschleppt. Die Geschichte handelt von Mut, Verrat, Verlust und wird spannend und emotional erzählt.

Der Film beginnt mit der Stimme eines Kommentatoren, der das Jahr 1939 in Deutschland als »friedlich« bezeichnet, seine Aussage wird mit zum Teil grausigen Bildern aus KZs konterkariert. Gelegentlich lenkt im Laufe des Films das pathetisch im Off vorgetragene DDR- Lied »Wer möchte nicht im Leben bleiben« ab. Reine Propagana ist aber der Schluß des Films, der so ganz anders endet als das Kinderbuch. Da bescheiden sich die Filmemacher nicht mehr mit Andeutungen und Hinweisen, da wird die DDR ganz konkret mit Bildern staatlich verordneter Demonstrationen, Aufmärschen, winkender Regierungsmitglieder gezeigt – und da erscheint leibhaftig auch Amigo als Panzersoldat der Volksarmee. Als Zeitdokument des Kalten Krieges ist das interessant, filmkünstlerisch allerdings fragwürdig und in seiner Kunstferne auch unfreiwillig komisch. Die eigentliche Geschichte jedoch wird mit allen Tugenden der DEFA-Tradition erzählt. Reinstes Berliner Hinterhofmilieu, in dem sich alle treffen: kleine Beamte, Arbeiter, Handwerker, Kommunisten und Nazis.

Die Figuren werden bis in die Familien hinein sozial stimmig erzählt. Die szenische Ausstattung der Arbeiterwohnungen und des Hinterhofs ist detailgenau und macht sie zu wichtigen Bedeutungsträgern der Geschichte. Eine zweite Stärke sind die Schauspieler, vor allem die Kinder. Regisseur Heiner Carow (»Die Legende von Paul und Paula«) hat Kinderdarsteller oft zu sehr beeindruckenden Leistungen herausgefordert. Neben Ernst Georg Schwills facettenreicher Darstellung des Amigo fällt besonders der Reifeprozeß des kleinen Sine ins Gewicht. Zentral ist die Inszenierung des Hinterhofs nicht nur als Spielplatz, Wäscheplatz, sondern auch als Bühne für Streit, Prügelei, illegale Verstecke, demokratische Mehrheitsbildung, eben als sozialer Brennpunkt.

* heute, 19 Uhr, jW-Ladengalerie, Torstr. 6, Berlin-Mitte

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