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Ewiggestriges noch immer da

Posted by Botschaft - 11/02/2009

Fast 65 Jahre nach Ende des Faschismus tragen noch über 100 Schulen den Namen von NSDAP-Mitgliedern

Goethe und Schiller, Thomas Mann und Sophie Scholl – diese Namen tragen viele Schulen. Doch bundesweit ist nach Erkenntnissen des Chemnitzer Historikers Geralf Gemser auch eine dreistellige Zahl von Schulen nach ehemaligen NSDAP-Mitgliedern benannt. Allein von den 2200 Schulen in Sachsen tragen acht Bildungseinrichtungen den Namen von Parteimitgliedern der NSDAP. Vier weitere Schulen im Freistaat haben SA- bzw. SS-Mitglieder als Namenspaten gewählt.Nach Holocaustopfern seien hingegen nur fünf Schulen benannt, so Gemser, der das Buch »Unser Namensgeber. Widerstand, Verfolgung und Konformität 1933-1945 im Spiegelbild heutiger Schulnamen« veröffentlicht hat.

Schulen, sagt Gemser, gehen sehr unterschiedlich mit ihren Paten um. Das Gymnasium im sächsischen Großröhrsdorf beispielsweise ist nach dem 1875 geborenen Chirurgen Ferdinand-Sauerbruch benannt. Laut Gemser habe Sauerbruch 1942 Geld für medizinische Versuche an KZ-Häftlingen bewilligt. »Bis vor ein paar Tagen war das hier kein Thema«, sagt der stellvertretende Schulleiter Gerd Lehmann. Die Schule habe zu DDR-Zeiten den Namen des Kommunisten Fritz Weineck getragen, der nach der Wende nicht mehr erwünscht gewesen sei«, so Lehmann. »Da haben die Verantwortlichen hier offenbar nach einem neuen Namensgeber mit Bezug zum Ort gesucht«, erklärt der Pädagoge. Zunächst werde die Schule gründlich recherchieren und dann gegebenenfalls handeln.

Das sächsische Kultusministerium erklärte sich für nicht zuständig. Die Namensgebung erfolge eigenverantwortlich durch die Schulträger, also die Landkreise oder Kommunen. «Es ist durch die zuständigen Stellen sorgfältig abzuwägen, ob die Personen, die durch die Namensgebung eine Vorbildrolle für die Schüler erfüllen sollen, dafür geeignet sind«, sagte eine Ministeriumssprecherin. Doch was vorbildlich ist, darüber gehen die Meinungen anscheinend auseinander. So gab sich eine Schule in Bernstadt in der Oberlausitz erst 2007 den Namen von Klaus Riedel. Der Raketenkonstrukteur soll mitverantwortlich für den Tod von bis zu 20000 Zwangsarbeitern sein, die bei der Produktion der V-2-Raketen starben. Die Andert-Mittelschule im sächsischen Ebersbach ist nach 1990 gleich nach drei Nazis benannt worden. Hermann Andert war Mitglied der NSDAP, die Söhne Herbert und Werner in der SA, bzw. im NS-Lehrerbund.

Seit Jahren umstritten ist in Wiesbaden die mögliche Umbenennung der Rudolf-Dietz-Schule. Die Grundschule ist nach einem 1942 verstorbenen Heimatdichter benannt. Dietz war seit 1933 Mitglied der NSDAP. Neben Hunderten harmloser Heimatgedichte veröffentlichte er nach Recherchen des Wiesbadener Stadtarchivs auch schätzungsweise 30 eindeutig antisemitische Gedichte. Die Stadt holte nach einer kontroversen Diskussion 2004 ein Gutachten des Karlsruher Historikers Peter Steinbach ein, der Dietz als »Mitläufer« im Dritten Reich einstufte. Das Wiesbadener Stadtparlament lehnte daraufhin eine Umbenennung der Schule ab. »Man kann Geschichte nicht wegschließen«, begründet Oberbürgermeister Helmut Müller seinerzeit das Vorgehen. Die Beibehaltung des Namens erzwinge eine permanente Auseinandersetzung mit Dietz und seiner Nazivergangenheit, glaubt er. Historiker Gemser sieht das anders: »Wenn man eine Person aus der NS-Zeit wählen wolle, sei es idealerweise ein Mensch, der sich mutig gegen das Regime stellte oder sich zumindest von ihm abkehrte«, so der Wissenschaftler. (AP)

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