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SPD rückt weiter nach Links??

Posted by Botschaft - 10/03/2009

Neue Töne bei der SPD?
In der Berliner Parteizentrale, dem Willy-Brandt-Haus, ist derzeit die Fotoausstellung »Vom Spanischen Bürgerkrieg zum Zweiten Weltkrieg« zu sehen

Über den Dächern von Barcelona: Marina Ginestà, Angehörige der Miliz der Vereinigten Sozialistischen Jugend Spaniens, am 21. Juli 1936 Foto: EFE/Hans Gutmann

Gerade einmal zweieinhalb Jahre ist es her, daß im Deutschen Bundestag ein Antrag der Linksfraktion abgewiesen wurde, mit dem das Parlament auf die »längst überfällige« Würdigung des Kampfes deutscher Freiwilliger an der Seite der Spanischen Republik verpflichtet werden sollte. Obwohl doch einst auch Sozialdemokraten zur Verteidigung der frei und demokratisch gewählten Volksfrontregierung nach Spanien geeilt waren, mochte sich Ende September 2006 die Mitregierungspartei SPD anläßlich des 70. Jahrestages der Gründung der Internationalen Brigaden im Oktober 1936 nicht mit dem Einsatz der »voluntarios de la Libertad« gemein machen. Weder die namentliche Erinnerung an den Spanien-Einsatz von 13 Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik noch an den von sieben Abgeordneten des Bundestages vermochte die SPD-Fraktion zu überzeugen.
Und nun dies: Im Willy-Brandt-Haus in Berlin, seit 1996 Sitz der Bundeszentrale der SPD, präsentiert der Freundeskreis des Hauses gemeinsam mit der spanischen Presseagentur EFE und der Botschaft Spaniens in der BRD die Fotoausstellung »Vom Spanischen Bürgerkrieg zum II. Weltkrieg«. Die Eröffnungsrede hält der SPD-Politiker Walter Momper; einst Regierender Bürgermeister und derzeit Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses. Anlaß für die Exposition ist der 70. Jahrestag der Niederlage der Republik im März 1939. General Francisco Franco, der Anführer der reaktionären Putschisten vom Juli 1936, hatte seinen Triumph in erster Linie der faschistischen Schützenhilfe aus Hitler-Deutschland und Mussolini-Italien wie dem Wirken eines von Großbritannien und Frankreich dominierten sogenannten Nichteinmischungskomitees zu verdanken. Doch davon ist bei der Eröffnung der Exposition am vergangenen Mittwoch kaum die Rede. Momper spricht zwar vor den drei- bis vierhundert Eröffnunsgästen nebulös vom Versagen der bürgerlichen Demokratie, hält sich jedoch ansonsten an die Erinnerungen des neben ihm überlebensgroß in Bronze gegossenen Namensgebers des Hauses. Der weilte schließlich im Frühjahr 1937 ebenfalls einige Monate in Spanien – als Beobachter bzw. Berichterstatter für ein in London angesiedeltes »Internationales Büro revolutionärer Jugendorganisationen«, dem auch Brandts SJVD, der Sozialistische Jugendverband Deutschlands, angeschlossen war. Allerdings war der spätere SPD-Vorsitzende schon damals nicht besonders gut auf die in erster Linie von der Komintern organisierten Freiwilligenverbände zu sprechen gewesen. Diesem Geiste ist auch der Redner verhaftet, wenn er mit Blick auf später in der DDR wirkende Interbrigadisten vom »blutigen Handwerk« redet, das diese einst in Spanien erlernt hätten.
Die Ausstellung selbst ist sehenswert. Im ersten Teil präsentiert sie weitgehend unbekannte Aufnahmen des deutschstämmigen Fotografen Hans Gutmann/Juan Guzmán (1911–1982), der 1933 Deutschland verlassen hatte und während des Krieges in der republikanischen Armee diente, zuletzt im Range eines Hauptmanns. Bereits in den ersten Tagen nach dem Franco-Putsch dokumentierte er in Barcelona die Formierung der republikanischen Milizen zur Verteidigung der Republik. Später begleitete er Einheiten der Volksarmee wie der Internationalen Brigaden an verschiedenen Frontabschnitten, so in Madrid und in der Guadalajara-Schlacht, vor Teruel, im Aragon und am Ebro. Nach dem Rückzug der Interbrigaden konnte er mit einem spanischen Paß auf den Namen Juan Guzmán das Land verlassen und nach Mexiko übersiedeln.
Thema des zweiten Ausstellungskomplexes, gestaltet aus dem Fundus der Presseagentur EFE, des größten Presse-Fotoarchivs Spaniens, sind die Gegner der republikanischen Armee im Spanischen Bürgerkrieg: die Putschisten um Franco und die von den deutschen Faschisten geschickte Legion Condor, geheimdienstliche und offizielle Kontakte vor und nach der Niederlage der Republik. Später unterstützte der spanische Diktator seine deutschen Gönner – etwa in Form der »Blauen Division«, deren 47000 Angehörigen an der Seite der Wehrmacht am Überfall auf die Sowjetunion teilnahmen.
Zurück zur Ausstellungseröffnung am vergangenen Mittwoch: Während eines Podiumsgespräches informierte unter anderem der Publizist Victor Grossman, Autor des Buches »Madrid du Wunderbare« (2006), über seine Erlebnisse mit Interbrigadisten. Im Anschluß zeichneten Filmdokumente ein detailliertes Bild der damaligen Zeit. So zeigt der Streifen »Espana 1936« – ein von der Volksfrontregierung in Auftrag gegebener 35minütigen Dokumentarfilm von Jean-Paul Dreyfus und Luis Bunuel – die ersten Monate der Verteidigung der Spanischen Republik. Sehenswert auch das filmische Porträt der heute 90jährigen Ex-Milizionärin Marina Ginestà (siehe Foto). Überraschenderweise präsentierten die Ausstellungsmacher zudem einen in den 60er Jahren in der Akademie der Künste der DDR entstandenen Film mit Ernst Busch. Dessen weithin bekannten Lieder vom Freiheitskampf des spanischen Volkes dürften noch nie in der SPD-Zentrale zu hören gewesen sein.

Die Ausstellung ist noch bis zum 3. April im Foyer des Willy-Brandt-Hauses täglich außer montags 12 bis 18 Uhr zu sehen (Eintritt frei, Ausweis erforderlich). Berlin-Kreuzberg, Stresemannstr. 28 (U-Bhf. Hallesches Tor)

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