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In Paris brennt es wiedereinmal

Posted by Botschaft - 15/03/2009

Pariser Vororte: Nach tödlichen Schüssen auf Jugendlichen erneut Straßenschlachten. Erinnerungen an Clichy-sous-Bois und Noisy-le-Grand

Und wieder brennt es am Stadtrand von Paris, dem »Gürtel«. Dort, wo das »Prekariat« aus Einwanderern der ehemaligen französischen Kolonien und ausgegrenztem Proletariat lebt, kam es in den vergangenen Tagen und Nächten zu Schlachten zwischen Polizei und vor allem Jugendlichen. In der Nacht zum Sonntag waren gleich zwei Vorstädte der Metropole Orte des Geschehens: Les Mureaux und Montegron. Die konservative Innenministerin Michèle Alliot-Marie (UMP) kündigte am Sonntag eine »Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen« an, um eine »Wiederholung der Straßenkämpfe« zu verhindern.

Die Vorgeschichte der jetzigen Aufstände erinnert an verschiedene vergleichbare Ausgangssituationen der Vergangenheit. So waren Ende Oktober 2005 im Banlieu-Ort Clichy-sous-Bois zwei junge Leute, der 15jährige Banou und der 17jährige Ziad, gebürtige Afrikaner, auf der Flucht vor der Gendarmerie zu Tode gekommen – Freunde sagten: »zu Tode gehetzt worden«. Bei dem Versuch, sich auf einer Trafostation in Sicherheit zu bringen, hatten sie tödliche Verbrennungen erlitten. Zehn Jahre zuvor kam in Noisy-le-Grand, dem Viertel nebenan, ein Jugendlicher aus Marokko auf gestohlenem Moped und ebenfalls auf der Flucht vor Polizisten zu Tode. Im Anschluß tobten wochenlang Straßenschlachten mit der Staatsgewalt, und die Furcht der Regierenden, daß auch das Pariser Zentrum zum Schauplatz werden könnte, wuchs. 2005 folgten im ganzen Land drei Wochen lang Aufstände, bei denen 10000 Fahrzeuge in Brand gesteckt und Hunderte Jugendliche festgenommen wurden.

Im aktuellen Fall war ein Jugendlicher aus Le Mureaux am 8. März während eines Polizeieinsatzes erschossen worden. Auch diesmal erklärte die Gendarmarie, dieses sei in »Notwehr« geschehen. Zusammen mit drei Freunden war der Jugendliche in einem PKW vor der Polizei geflohen. Nach einer Verfolgungsjagd hätten die Polizisten dann an einer Autobahnmautstelle geschossen. Anschließend begannen die Demonstrationen im Département Seine-et-Marne und Yvelines. Dabei wurden in Les Mureaux 21 Polizisten leicht verletzt und acht Jugendliche festgenommen. In Montegron, einer anderen Pariser Vorstadt, wurde in der Nacht zu Sonntag ein Kommissariat zur Zielscheibe von Gewehrschüssen. An der Eingangstür wurden die Spuren von rund 250 Bleikugeln gefunden, gab die Polizeipräfektur am Sonntag bekannt. Verletzt wurde niemand. Zum Zeitpunkt der Attacke befand sich in der Station ein Verdächtigter in Beugehaft.

Nach Angaben des örtlichen Sicherheitsdirektors Christian Loiseau gerieten die Polizisten in Les Mureaux am Samstag gegen 20.30 Uhr in einen »Hinterhalt«, als sie wegen eines brennenden Autos anrückten und im Stadtviertel Les Musiciens von Hunderten Jugendlichen mit Steinwürfen und Gewehrschüssen angegriffen wurden. Die Auseinandersetzungen dehnten sich im Laufe des Abends auch auf andere benachbarte Wohnviertel aus. Die Sicherheitskräfte stellten Dutzende Molotowcocktails sicher.

Innenministerin Alliot-Marie begrüßte am Sonntag den »professionellen Einsatz« und die »Effizienz« der Polizisten. »Die Sicherheit wird in den betroffenen Stadtvierteln verstärkt werden, um mit der größten Festigkeit auf solche Akte zu reagieren«, kündigte Aliot-Marie an. Vergangenen Mittwoch hatte Präsident Nicolas Sarkozy (UMP) seine Ministerin damit beauftragt, binnen Monatsfrist einen »Aktionsplan« vorzulegen, um den Kampf gegen die »gewalttätigen Banden« in prekarisierten Vorstädten zu verstärken.

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