Antifaunited

Against increasing racism and the contempt for mankind in Germany and Europe, against Peoplephobie, against criticism prohibitions, against Nazis

Antikommunismus – die Universalwaffe der BRD

Posted by Botschaft - 22/03/2009

Plumper Antikommunismus der 90er Jahre Foto: Christian Ditsch/Version

Plumper Antikommunismus der 90er Jahre Foto: Christian Ditsch/Version

Den Umschlag des zur Leipziger Buchmesse im Berliner Karl Dietz Verlag erschienen Buches »Instrument Antikommunismus – Sonderfall Bundesrepublik« gestaltete Heike Schmelter, wie der Verlag informiert, »unter Verwendung eines CDU-Wahlplakates (1953). Für die Benutzung bedanken wir uns bei der Bundesgeschäftsstelle der CDU.« Man hat eben Stil. Bei der hätte auch der Autor Jan Korte, Politikwissenschaftler, Mitglied des Vorstandes der Partei Die Linke und mit deren Mandat Mitglied des Bundestages, seinen Dank abstatten können. Hat die CDU doch über die Jahrzehnte hinweg im Stile des abgebildeten 53er Wahlplakates (»Alle Wege des Marxismus führen nach Moskau«) mit dem von ihr exekutierten »blindwütigen Antikommunismus« (Wolfgang Wippermann) den hier faktenreich beschriebenen »Sonderfall Bundesrepublik« verursacht. Dies ohne Scheu vor der Übernahme des Personals, das an dieser Front bereits in den Jahren der faschistischen Herrschaft – ob in den Gerichtssälen, den Vernichtungslagern oder auf militärischem Gebiet – gewütet hatte.

Links stand der Feind bekanntlich schon immer in Deutschland (Kölner Kommunistenprozeß, Sozialistengesetz u.a.). Korte beginnt seinen Rückblick über die Herkunft des Antikommunismus mit dem Sieg der russischen Oktoberrevolution, »die dem deutschen Bürgertum schlaflose Nächte bereitete«. Bei der Mobilisierung aller Kräfte gegen die »rote Gefahr« paktierte es dabei »mit den äußersten und paramilitärisch ausgerüsteten Rechten, die die Schmutzarbeit erledigen sollten, was sich in der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht durch reguläre Militärs zeigte«. Er beschreibt den »fanatischen Antikommunismus« der Freikorps, das »Konglomerat der antidemokratischen Rechten der Weimarer Republik«, denen im Haß auf die linke Intelligenz der Antikommunismus eine »besondere Klammer« war. Er verweist darauf, daß die Nazis die unterschiedlichen Ansätze zusammenfügten, die »wahrhafte Verschmelzung« von Antikommunismus und Antisemitismus« (jüdischer Bolschewismus) »Kreuzzugscharakter« annahm und die »ideologische Grundlage für einen entgrenzten Vernichtungskrieg, wie ihn die Welt noch nicht erlebt hatte«, lieferte.

Auch nach 1945 war der Antikommunismus – festgemacht an der aus dem Bereich der kapitalistischen Herrschaft ausgebrochenen Sowjetunion und der DDR – immer das Vehikel zur Disziplinierung der Arbeiterklasse und Bekämpfung gesellschaftlicher Alternativen. Der »roten Gefahr« wurde nach außen mit der gegen die sozialistischen Staaten gerichteten Hochrüstung und nach innen – besonders nach dem KPD-Verbot von 1956, mit einer in keinem anderen westeuropäischen Staat (die Diktaturen Spanien, Portugal und Griechenland ausgenommen) zu vergleichenden »justizförmigen Kommunistenverfolgung begegnet.

Jüngere Zeitgenossen werden ungläubig Kortes Darlegungen zur Kenntnis nehmen, wie nach den Verbrechen des faschistischen Regimes schon die erste 1949 gebildete Bundesregierung den Antikommunismus in seiner klassischen Funktion kultivierte. Wie virulent er werden konnte und welches Ausmaß die Verfolgung und Abstrafung kommunistischen Gedankenguts zwischen 1951 und 1968 angenommen hat. Es ging darum, so beschreibt der Autor das »wesentliche Merkmal des Antikommunismus««, »alle demokratisch-sozialistischen Politikansätze abzuwehren« und »die Möglichkeiten gesellschaftlicher Alternativen auszuschalten.«

Damit ist Korte beim »Antikommunismus heute« – nicht zuletzt demonstriert durch die Weigerung der Mehrheit des Bundestages, die Opfer der Kommunistenverfolgung in der Alt-BRD zu rehabilitieren: »Der Antikommunismus in Gestalt der Totalitarismustheorie, also als vergangenheitspolitisches Instrument, ist nach wie vor der ideologische Schwerpunkt der Konservativen – in Politik, Wissenschaft und Publizistik.« Bei der Gleichsetzung von »Rot gleich Braun« gehe es nicht um den wissenschaftlichen Vergleich zweier Systeme, sondern um die Einebnung wesentlicher Unterschiede. »In der Folge geht es um das Verschwinden der Täter, um die Relativierung monströser Verbrechen.«

Das ist präzise wie vieles in dieser Schrift und führt logisch zu der Forderung, daß der »Antikommunismus in vergangenheitspolitischer Absicht zurückzuweisen und Antikommunismus als Ideologie zu delegitimieren« ist. Das aber, so diktiert Korte in seinem, dem Leser nach all dem dann doch verblüffendenden Rezept, verlangt das »Denken in kritischen Kategorien von einem antistalinistischen Standpunkt«. Ein Postulat, das sich ähnlich – fast tonangebend für die ganze Abhandlung– schon in der Einleitung findet: der Autor wolle »eindeutig« aufzeigen, daß der »Antikommunismus nur von einem antistalinistischen Standpunkt seriös und glaubwürdig kritisiert werden kann«.

Das bedeute neben anderem, wie im Detail aufgeführt, u.a. »den Antifaschismus der DDR so »kritisch zu analysieren« wie den Antikommunismus« im Westen, die Politik der »stalinistischen KPD« vor 1933 und nach 1945 in der BRD ebenso zu betrachten wie die »realen Anhaltspunkte« des bundesdeutschen Antikommunismus, der begünstigt wurde »durch die Wirklichkeit in der DDR und (post)stalinistischen Sowjetunion«. Wer die Politik der PDS/Die Linke in den letzten 20 Jahren verfolgt hat, weiß, daß der praktizierte »antistalinistische Standpunkt« wenig am Antikommunismus als Staatsräson geändert hat, gegen die Linke unverändert die Keule »Stalinisten« geschwungen wird und bislang noch kein einziges Opfer der Kommunistenverfolgung (»Alles Stalinisten«, siehe junge Welt, 3. März 2009) in der Alt-BRD rehabilitiert wurde. Anitistalinismus hin oder her. Wie sagt doch der Domherr in Lessings »Nathan der Weise«: »Macht nichts, der Jude wird verbrannt!«

Jan Korte: Instrument Antikommunismus – Sonderfall Bundesrepublik. Dietz Verlag, Berlin 2009, 120 Seiten, 9,90 Euro

Advertisements

Sorry, the comment form is closed at this time.

 
%d Bloggern gefällt das: