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Freidenker contra PRO-RELI

Posted by Botschaft - 04/04/2009

Freidenker und ostdeutsche Verbände streiten für Erhalt des Ethikunterrichts

Der 26. April rückt näher und damit der Tag des Volksentscheids, mit dem die Kampagne »Pro Reli« im Verein mit konservativen Kräften und den Medien in Berlin eines der fortschrittlichsten deutschen Schulgesetze kippen und den bisherigen Ethikunterricht als Pflichtfach abschaffen will. Darum hatten der Deutsche Freidenker-Verband Berlin, das Ostdeutsche Kuratorium von Verbänden e.V. (OKV) und das Bündnis für soziale Gerechtigkeit und Menschenwürde e.V. (BüSGM) am Donnerstag abend zu einer Veranstaltung mit dem etwas unglücklich gewählten Titel »Predigen pro Ethik« eingeladen.

Die der Einladung folgten, waren überwiegend im Großelternalter und füllten den Münzenberg-Saal des ND-Gebäudes nur knapp zur Hälfte. Auch dies ist eine Folge einseitiger Wahrnehmung durch die bürgerlichen Medien, die »Pro Reli« ausgiebig zu Wort kommen lassen, Veranstaltungen wie diese aber totschweigen; gerade mal zwei Journalisten konnte BüSGM-Vorsitzender Gert Julius als Moderator des Abends begrüßen. Dabei scheint ein Zusammenhang zwischen der »Pro Reli«-Kampagne und der aktuellen Krise unübersehbar, den auch Erdogan Kaya für die Föderation demokratischer Arbeitervereine (DIDF) herstellte. Aus einer Umfrage im Auftrag des Innenministeriums von Mitte März, die 30 Prozent der Jugendlichen eine ausländerfeindliche Einstellung attestierte, zog Kaya die Schlußfolgerung: »Wir sollten alle Religionslehrer entlassen!« Kaya mußte sich vorzeitig verabschieden, weil »Gott meinem Kind nicht bei der Matheaufgabe hilft«.

Die Ethiklehrer dagegen ernteten ausdrückliches Lob für ihre Arbeit von Egon Dobias, der sich für die Berliner Freidenker vor allem gegen die propagandistischen Verdrehungen seitens »Pro Reli« wandte. Das Pflichtfach Ethik stehe »einer vorsätzlich geförderten Einseitigkeit durch jedweden Religionsunterricht entgegen« und trage dazu bei, die Schülerinnen und Schüler zu kritischer Vernunft zu erziehen. Zündende Beispiele solch kritischer Vernunft gab es dann von der bekannten Brecht-Interpretin Gina Pietsch, die wie zuvor schon die Liedermacherin Isabel Neuenfeldt für die »musikalischen Zwischentöne« sorgte. Mit Brechts »Galileo«, seinem »Lob des Zweifels« und der »Kinderhymne«, aber auch Liedern von Violetta Parra und Victor Jara war Pietschs Beitrag weit mehr als ein »kultureller Rahmen« und der zweifellos begeisterndste Teil des Abends.

Lothar Nätebusch, Berliner Vorsitzender der Gewerkschaft IG BAU, warf die Frage auf, ob zu den von »Pro Reli« propagierten ethischen Werten etwa auch Vorstellungen wie die des Bischofs und Holocaustleugners Williamson und »die fragwürdige und widersprüchliche Haltung des Papstes« gehören sollten. Wie schon Dobias verwies auch Nätebusch darauf, daß die große Mehrheit der Berliner Bürger keiner Religionsgemeinschaft angehört und die Hälfte der Berliner Schüler einen Migrationshintergrund hat. Die Methoden der »Pro Reli«-Kampagne nannte er »demagogisch«, weil es die von ihr geforderte Wahlfreiheit längst gebe: »Nämlich Ethik als Lehrfach und Religion als Wahlfach auf freiwilliger Basis«. Nicht die Werte der Amtskirchen, sondern die der Bergpredigt sollten den Schülern vermittelt werden, meinte anschließend Renate Schönfeld, Pfarrerin i. R. und bekennendes DKP-Mitglied. Während Jesus die Händler, »also heute die Banker und Manager« aus dem Tempel geworfen habe, verteidigten »auch die Kirchen die ›Demokratie‹, das heißt ihren eigenen Wohlstand am Hindukusch«.

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