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Archive for the ‘Griechenland’ Category

Willkür in Griechenland

Posted by Botschaft - 30/01/2009

Griechenland: Anwälte dokumentieren willkürliche Festnahmen während der Dezemberproteste

Von Heike Schrader, Athen

In unmittelbarer Reaktion auf die tödlichen Schüsse der Polizei auf einen 15jährigen Schüler waren im vergangenen Dezember Zehntausende meist junge Menschen überall in Griechenland auf die Straße gegangen. Bei deren Protesten wurden mehr als 280 Menschen willkürlich festgenommen, erklärten Anwälte der »Offenen Initiative für Solidarität« am Mittwoch an Athen. »Auf frischer Tat« sei niemand erwischt worden, alle Festgenommenen würden lediglich durch Aussagen von Polizisten belastet.
»Die Anklagen lesen sich wie mit Durchschlagpapier geschrieben«, erklärte nun die Anwältin Aleka Zorbala. Allen Verhafteten werde die Anfertigung und der Einsatz von Molotowcocktails, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Landfriedensbruch und Beamtenbeleidigung vorgeworfen. Allerdings würden die Betroffenen völlig unterschiedlich behandelt. Während die festgenommenen griechischen Jugendlichen in der Mehrzahl nach einem Haftprüfungstermin vorläufig auf freien Fuß gesetzt wurden, seien mindestens 70 Migranten sofort und ohne daß Anwälte oder Dolmetscher hinzugezogen wurden vor dem Schnellrichter abgeurteilt worden. Den in der Mehrzahl zu drastischen Gefängnisstrafen Verurteilten drohe nun die Abschiebung.

Im Zusammenhang mit den Protesten wird in Griechenland erstmalig auch die Terrorgesetzgebung gegen Demonstranten angewandt. So wirft die Staatsanwaltschaft der Provinz Larissa 19 Menschen, darunter elf Minderjährigen, nicht nur den Einsatz von Brandbomben und Steinen, sondern darüber hinausgehend vor, eine »kriminelle Vereinigung« gebildet zu haben. Als Begründung heißt es in der Anklageschrift, die Beklagten hätten als »einheitliche Gruppe« agiert. Bisher waren Versuche griechischer Staatsanwaltschaften, den Einsatz von Molotowcocktails in eine »terroristische Straftat« umzudeuten, regelmäßig am Votum der zuständigen Untersuchungsrichter gescheitert.

Zudem berichtete Thanassis Tsirigiotis von der Lehrergewerkschaft OLME am Mittwoch in Athen von Versuchen, Mitglieder des Lehrkörpers zu Spitzeldiensten zu zwingen. Nach den tödlichen Schüssen der Polizei hatten Schüler überall im Land zu symbolischen Umzingelungen von Polizeiwachen mobilisiert. Daraufhin hätten Schuldirektoren und Direktoratsmitglieder aus 312 Schulen Vorladungen der griechischen Staatssicherheit erhalten, die sie zu Aussagen über die Beteiligung von Schülern aus ihrem Bereich aufforderten.

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Das Athener Kreuzberg

Posted by Botschaft - 28/12/2008

Die tödlichen Schüsse auf einen 15-Jährigen haben ein Stadtviertel ins Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit gerückt, das sonst kaum von Touristen besucht wird

Kerzen und Blumen für Alexis in der Tzavella-Straße Foto: AFP

Das Viertel liegt im Herzen der Hauptstadt und trotzdem verirren sich selten Touristen hierher. Exarcheia – der Name geht auf ein im 19. Jahrhundert hier eröffnetes Handelshaus zurück – grenzt an Kolonaki, ein von Boutiquen, Cafés und anderen Konsumtempeln beherrschtes Einkaufsviertel der Gutbetuchten. Nicht weit entfernt liegt der Syntagma-Platz mit dem Parlament, an den sich die Plaka, die Touristen wohlbekannte Altstadt mit ihren ungezählten Souvenirläden im Schatten der Akropolis anschließt. Doch Exarcheia fehlen sowohl die prächtigen Schaufenster als auch die antiken Sehenswürdigkeiten.

Nicht dass »der Kiez der Widerständigen« ein geschichtsloser Ort wäre. Das zwischen drei Universitäten und dem ehemaligen Gerichtsgelände liegende traditionelle Buchhändler-, Rechtsanwälte- und Studentenviertel hat in der Geschichte sogar mehrfach eine wichtige Rolle gespielt. Nur eben nicht in der Antike, sondern in der von Touristen meist vernachlässigten jüngeren Geschichte.

Von jeher Hochburg des Widerstands
Während der Besetzung Griechenlands durch die Wehrmacht des faschistischen Deutschlands war Exarcheia eine Hochburg der kommunistisch geprägten Wider-standsarmee ELAS. Am Polytechnikum etwa leitete der spätere Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE), Grigoris Farakos, im Rang eines Hauptmanns die dortigen ELAS-Einheiten. Auch die Professoren waren mehrheitlich auf der Seite des Widerstands. Die Gestapo wagte sich gar nicht erst ins Polytechnikum.

Im Bürgerkrieg 1946-49, der auf die Befreiung folgte, bot das Stadtviertel den in die Illegalität getriebenen Kommunisten Schutz und Unterschlupf, unter anderem im heute von Studierenden als Schlafplatz genutzten »Kellerpalast« an der Nordwestseite der Plateia. Bis heute sind an mancher Fassade die Einschüsse aus den Kämpfen um die Hauptstadt zu sehen. 

Auch im Widerstand gegen die Militärdiktatur von 1967 bis 1974 war man in Exarcheia höchst aktiv. Der Studentenaufstand im Sommer 1973 an der Juristischen Hochschule, vor allem aber der drei Tage währende Aufstand im Athener Polytechnikum im November 1973 gelten als Auslöser für den Fall des Obristenregimes. Alljährlich nehmen Zehntausende an der Demonstration zum Gedenken an das Massaker im Polytechnikum teil. Die Panzer der Militärjunta hatten am 17. November 1973 die von Studierenden und Arbeitern unter der Parole »Brot, Bildung, Freiheit, Unabhängigkeit« geführte Besetzung der Universität blutig beendet. Seit dem Ende der Militärdiktatur gilt deshalb in ganz Griechenland das Universitätsasyl. Polizisten dürfen das Gelände nur mit dem Einverständnis eines Gremiums aus Professoren, Hochschulleitung und Studierenden betreten. Ein solches Einverständnis hat es bisher jedoch nie gegeben.

Polizei und Medien arbeiten nicht erst seit den jüngsten Ereignissen, sondern schon seit vielen Jahren Hand in Hand daran, Exarcheia als gefährliches Viertel zu diffamieren, vor dessen Betreten gewarnt wird, weil dort »blinde Gewalt« und »organisierte Kriminalität« herrschten. Gerne zeigt man im Fernsehen, wie nach großen Demonstrationen vermummte Gestalten vom Gelände des Polytechnikums Brandflaschen auf Sondereinheiten der Polizei werfen. Nicht gezeigt wird, dass Polizisten vorher so lange Tränengasgranaten in die im Uni-Asyl eingekesselte Menge schießen, bis einigen drinnen der Kragen platzt. Zur Neutralisierung des Tränengases in Brand gesetzte Müllcontainer müssen dann regelmäßig als Beweise für Vandalismus herhalten. 

Politische Losungen statt Werbeplakaten
Eine ganze Reihe der ungefähr 40 linken Parteien und Organisationen Griechenlands haben ihre Büros noch immer in Exarcheia. Vertreten sind auch die Veteranen des Widerstands gegen die Nazis und das Griechische Komitee für Frieden und Entspannung. Geprägt wird das Viertel heute jedoch eher von den ebenso zahlreichen anarchistischen oder libertären Gruppen, die hier ihre Stadtteilläden – griechisch Stekia – haben.

Während in anderen Stadtvierteln Werbeplakate und Konzertankündigungen das Bild bestimmen, dominieren hier politische Plakate und gesprühte Parolen, meist mit der Forderung nach Freiheit für inhaftierte Genossen. Eine der neuesten, gesprüht nach der Erschießung von Alexis Grigoropoulos, lautet: »28 Milliarden Euro für die Banken, Kugeln für die Jugend«. Daneben die Festtagswünsche: »Merry Crisis and Happy New Fear«. 

Berührungsängste zwischen »normalen« Bewohnern und den »antiautoritären Staatsfeinden« gibt es jedoch nicht. Im Gegenteil. Beim Kampf um den Erhalt der traditionellen Cafés oder Tavernen, die in ganz Athen mehr und mehr den Filialen internationaler Fastfoodketten weichen müssen, oder beim freiwilligen Einsatz zur Gestaltung von Grünflächen arbeiten sie Hand in Hand. So wurde die Straße Tzavella, in der die tödlichen Schüsse fielen, in freiwilliger Arbeit des Initiativkomitees der Bewohner durch Grünpflanzungen zu einer der schönsten Flaniermeilen des ganzen Viertels herausgeputzt. Und es sind die Anarchisten, die dafür sorgen, dass der in der angrenzenden Gegend um den Omonia-Platz verbreitete Drogenhandel und die dazugehörige Prostitution in Exarcheia weitgehend eingedämmt wurden. Es ist ein offenes Geheimnis im Viertel, dass die Junkies aus anderen Teilen der Stadt nach Exarcheia vertrieben wurden. Heute findet man die meisten in der Fußgängerzone zwischen dem Polytechnikum und dem Archäologischen Museum. Direkt neben der Polizeiwanne, die zum ständigen Schutz des nahe gelegenen Kulturministeriums abkommandiert wurde.

Inmitten des Athener Großstadtchaos wirkt Exarcheia mit seinen etwa 36 000 Einwohnern fast beschaulich. Einer der wenigen Stadtteile, die sich die Kennzeichen eines von Nachbarschaft geprägten Viertels erhalten haben. Man kennt und grüßt sich auf der Straße oder in einem der zahlreichen kleinen Läden, Tavernen, am Zeitungskiosk. Oder trifft sich zum »Schnack« in einer der Verlagsbuchhandlungen, die sich in vielen Jahrzehnten rund um die Universitäten angesiedelt haben. Und zwar egal ob man im traditionellen Schwarz der Witwe oder dem ebenso traditionellen schwarzen Kapuzenpulli des Anarchos gekleidet ist. Im Kafeneion, direkt an der Plateia, trinken der 50-jährige Rechtsanwalt oder der gleichaltrige Buchhändler ihren griechischen Mokka in trauter Gemeinschaft mit ihrem dreißig Jahre jüngeren anarchistischen Nachbarn. Und wenn die Diskussionen besonders heftig werden, geht es meist nicht etwa um Tagespolitik, sondern um »König Fußball«, Lieblingsthema der griechischen Männergesellschaft auch in Exarcheia.

Wenn im Viertel dennoch nicht etwa schwarz gekleidete Alternative, sondern grün uniformierte Beamte von Sondereinheitskommandos das Bild bestimmen, so stößt dies keineswegs auf die Zustimmung der Bewohner. Statt nach jeder Demonstration die Anarchisten durch das Viertel zu prügeln, sollte sich die Polizei lieber selbst um die Drogendealer kümmern, meint man hier. Die würden von den Ordnungshütern nämlich meist in Ruhe gelassen. 

»Als lebten wir im Gaza-Streifen«
Am 16. Dezember, während der von Demonstrationen und Auseinandersetzungen geprägten Tage, forderten mehr als 1500 Bewohner des Viertels, darunter viele Intellektuelle und Künstler, den Abzug der Polizei aus dem Kiez. Für das Initiativkomitee der Bewohner ist die Polizei das größte Problem im Viertel. »Wir verstehen diese Präsenz nicht. Das Viertel hat die geringste Kriminalitätsrate in ganz Athen«, hieß es bei der Demonstration. »Sogar nach dem Mord gibt es Polizisten, die sich – besonders jungen Frauen gegenüber – unangemessen verhalten. Wir fordern ein weiteres Mal, dass sie verschwinden. Es kann nicht sein, dass wir nach Hause gehen und uns fühlen, als lebten wir im Gaza-Streifen.«

Die tödlichen Schüsse eines Polizisten auf den 15-jährigen Schüler Alexis Grigoropoulos waren nicht die ersten in der jüngsten Geschichte. Im Anschluss an die Demonstration zum Jahrestag des Massakers im Polytechnikum erschoss die Polizei 1985 direkt an der Plateia von Exarcheia den 15-jährigen Schüler Michalis Kaltezas bei dem Versuch, einen Brandsatz auf einen Polizeibus zu werfen. Der Täter wurde freigesprochen.(ND)

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Athen brennt

Posted by Botschaft - 25/12/2008

Brennende Straßen auch in der heiligen Nacht in Athen (Foto: dpa)

Unbekannte haben auch in der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag mehrere Brandanschläge an verschiedenen Orten der griechischen Hauptstadt Athen verübt. Sie schleuderten Molotowcocktails auf zwei Autogeschäfte im Stadtteil Galatsi und zerstörten dabei mehrere Fahrzeuge. Zudem beschädigten sie die Fassade einer Bank und zündeten Gasflaschen vor einem Regierungsgebäude im Stadtzentrum an. Verletzt wurde niemand. Es seien erhebliche Schäden entstanden, berichtete das Staatsradio.

300 Festnahmen seit Beginn der Proteste
Bereits Heiligabend hatten etwa 700 Menschen im völlig überfüllten Einkaufsviertel zunächst friedlich demonstriert. Die meist Jugendlichen forderten die Freilassung derer, die seit Beginn der Proteste vor zweieinhalb Wochen festgenommen worden waren – insgesamt etwa 300. Anschließend beschmierten einige von ihnen Wände und Säulen der Athener Kathedrale mit Parolen gegen die Kirche.

Demo gegen Polizeigewalt und Vetternwirtschaft

Weihnachtsbaum unter polizeischutz

In Griechenland kommt es seit dem Tod eines 15-Jährigen durch eine Kugel aus der Waffe eines Polizisten am 6. Dezember immer wieder zu gewaltsamen Protesten. Die nächste Schüler- und Studentendemonstration gegen Polizeigewalt und Vetternwirtschaft in der griechischen Gesellschaft ist für den 9. Januar geplant.

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Weiterhin Proteste in Athen

Posted by Botschaft - 23/12/2008

Aus Protest gegen den tödlichen Schuß aus einer Polizeiwaffe auf einen 15jährigen haben am Dienstag in Athen erneut etwa tausend Jugendliche an einer Kundgebung teilgenommen. Dabei griffen mehrere Demonstranten laut dem Bericht eines AFP-Journalisten ein Polizeiauto an und zerstörten es. Es gab keine Verletzten. Die Demonstration fand vor der Universität der griechischen Hauptstadt statt. Auf Spruchbändern hieß es »Nieder mit der Regierung von Mördern« und »Die Jugend nimmt Rache für ihre gestorbenen Träume«. Eine weitere Demonstration von Schülern war im Laufe des Tages vor dem Bildungsministerium geplant. Es sollte die letzte Kundgebung in diesem Jahr sein. Anfang Januar wollen die Organisatoren der Proteste entscheiden, ob es weitere Aktionen gibt. (AFP)

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Kein Ende der Proteste in Griechenland

Posted by Botschaft - 19/12/2008

Demonstrationen und Konzert für ermordeten Schüler in Athen

Athen kommt nicht zur Ruhe. Auch am Freitag demonstrierten Tausende Griechen gegen die Rechtsregierung von Konstantinos Karamanlis. Tausende Gewerkschafter zogen vor das Parlament am Syntagma-Platz, um gegen den Haushaltsplan 2009 zu protestieren. Universitätsprofessoren beteiligten sich am Ausstand. Schüler und Studenten organisierten am Nachmittag im Gedenken an den erschossenen Schüler Alexis Grigoropoulos ein Großkonzert in der Athener Innenstadt. Die Musikveranstaltung sollte laut Veranstaltern gleichzeitig eine Solidaritätsbekundung für den »Aufstand der Jugend« sein.

Im Westen Athens demonstrierten rund 1500 Anhänger der griechischen Kommunistischen Partei (KKE) und des Kommunistischen Jugendverbandes. Sie erinnerten an einen 16jährigen Schüler, auf den am Mittwoch von einem unbekannten Schützen geschossen und der dabei am Handgelenk verletzt wurde. »Das ist eine Antwort auf staatliche Repression», zitierte die Agentur AP einen der Demonstranten. Die Proteste würden andauern, »bis unsere Forderungen erfüllt werden«. Babis Angourakis, Mitglied im Zentralkomitee der KKE, erklärte gegenüber junge Welt, die griechische Regierung hoffe, daß die Proteste über die Weihnachtsfeiertage in der kommenden Woche abnehmen. Seine Partei werde allerdings alles dafür tun, daß es dazu nicht kommt.

Die Kommunistische Partei Luxemburgs richtete am Freitag eine Solidaritätsadresse »an die Arbeiter, Studenten und Schülern in Griechenland«: »Der Tod von Alexis Grigoropoulos durch Polizeikugeln am 6. Dezember, der bewaffnete Angriff auf den jungen Kommunisten Giorgos Paplomatas und seine Genossen am 17. Dezember, Polizeiknüppel und Tränengas gegen unbewaffnete junge Menschen in einem Land, das sich als ›die älteste Demokratie der Welt‹ bezeichnet, zeigen einmal mehr, daß dieser Staat nichts mit einer Demokratie zu tun hat.«

Für Schlagzeilen sorgten Massendemonstrationen und Protestkonzert nicht. Mediale Aufmerksamkeit erregte einzig der Angriff einer kleinen Gruppe Jugendlicher auf das Französische Institut in Athen. Polizeiangaben zufolge haben rund 20 Vermummte das Institut Français eingeschlagen und einen Geldautomaten in einer nahe gelegenen Bank beschädigt. Verletzt wurde nach Polizeiangaben niemand.(jW)

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Volksaufstand

Posted by Botschaft - 19/12/2008

Proteste in Griechenland: Die Repression muß aufhören, und die Regierung Karamanlis muß stürzen. Ein Gespräch mit Katerina

neu

Protestaktion in Athen

Katerina ist 19 Jahre alt und studiert im 2. Studienjahr Geschichte und Archäologie an der Athener Hochschule für Philosophie. Das Interview wurde am Donnerstag am Rande der Demonstration in der griechischen Hauptstadt geführt. Auf Ihren Wunsch verzichten wir auf die Veröffentlichung Ihres Nachnamens und Fotos
Die Hochschule für Philosophie in Athen ist besetzt. Sind Sie dabei?
Ich mache bei der Besetzung mit. So wie bei allen Mobilisierungen, den Demonstrationen, den Besetzungen, überall.

Ist das Ihre erste politische Aktion?
Bei den Bildungskämpfen der letzten Jahre war ich noch Schülerin und habe an Schulbesetzungen teilgenommen. Ich habe meine ersten politischen Erfahrungen in recht jungen Jahren gemacht, und heute versuche ich, so aktiv ich kann dabei zu sein.

Warum? Was treibt Sie an?
Weil die Aktivitäten der griechischen Regierung sowohl gegen die Studierenden als auch gegen die Arbeitenden gerichtet sind. Insbesondere werden Gesetze verabschiedet, die den Forderungen des Volkes überhaupt nicht entsprechen. Ihre gesamte Politik ist alles andere als zu unserm Nutzen.

Können Sie das an einem Beispiel erläutern?
Die Mobilisierungen vor zwei Jahren wurden durch eine Gesetzesvorlage ausgelöst, derzufolge ein Management wie in der privaten Wirtschaft an den Hochschulen Einzug halten sollte. Mit diesem neuen Hochschulrahmengesetz sollten die staatlichen in Richtung private Hochschulen verändert werden. So wie jetzt mit der EU-Regelung für die Gleichstellung der Abschlüsse von privaten Colleges mit Hochschulabschlüssen. In Zukunft stehen wir also am Arbeitsmarkt nicht nur im Wettstreit mit unseren Kommilitonen, sondern auch mit Absolventen privater Einrichtungen, die vielleicht viel kürzer studiert, aber dafür teuer bezahlt haben.Trotz zweijährigem Kampf wurde das Hochschulrahmengesetz verabschiedet, die Regelung für die Colleges auch.

Hat der Kampf nichts gebracht?
Der Kampf hat sehr wohl Ergebnisse gehabt. Seit Jahren sammeln sich die mit dieser Politik Unzufriedenen. Die Ermordung des jungen Alexis Grigoropoulos war der Auslöser, daß aus der Unzufriedenheit ein Volksaufstand wird. Jetzt strömen die Menschen auf die Straße und halten der Regierung ihre Forderungen entgegen.

Oppositionsparteien versuchen, die aktuellen Kämpfe für ihre Ziele zu vereinnahmen. Was halten Sie davon?
Dieser Kampf, bei dem Massen von Menschen auf die Straßen gehen, darf von niemandem manipuliert werden. Wir sehen hier einen Aufstand des Volkes, der nicht von irgendeiner Partei angeführt wird, sondern dem Bewußtsein der Menschen entspringt. Er ist spontan und wird sich von keiner Partei deckeln lassen. Das kann man schon an der Größe der Demonstrationen und Aktionen sehen. All das hier kann nicht in ein bestimmtes Schema gepreßt werden. Die verschiedensten Fraktionen sind auf der Straße, von allen Parteien. Sogar Anhänger sehr konservativer Ansichten finden unsere Forderungen berechtigt. Man darf aber nicht vergessen, daß sich dieser Kampf gegen eine ganz bestimmt Politik richtet.

Was ist also nötig, um diese Politik zu ändern?
Für mich ist die grundlegende Forderung derzeit, daß die Repression durch die Polizei aufhört und die Regierung von Ministerpräsident Karamanlis gestürzt wird. Das sind auch die Forderungen der Menschen, die hier seit dem 6. Dezember in Massen auf der Straße sind. Dafür müssen wir natürlich bereit sein, bis zum Ende weiterzumachen.

Gekämpft wird mit unterschiedlichen Formen, mit Blumen wie mit Brandsätzen. Sind sie alle berechtigt?
All die Kampfformen drücken vor allem die Wut der Leute aus, deswegen können wir sie auch nicht verurteilen. Trotzdem schaden extreme Gewaltausbrüche der Bewegung. Der 15jährige, der einen Stein auf einen Polizisten wirft, ist sicher etwas anderes als jemand, der einen Zeitungskiosk anzündet. Man fragt sich oft, ob letzteres nicht eine gelenkte Provokation ist. 

POLIZEI UND NEONAZIS RANDALIEREN GEMEINSAM IN ATHEN:

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ATHEN – Die Unruhen gehen weiter

Posted by Botschaft - 18/12/2008

Alexandros Grigoropoulos (15) war vor 12 Tagen gezielt von einer Polizeikugel getroffen worden. Seither ist in Griechenland nichts mehr wie es war. Der Protest gegen das Vorgehen der Polizei hält an. Und auch gestern gingen trotz strömenden Regens mehrere Hundert Schüler und Studenten im Zentrum von Athen auf die Strasse.
Sie protestierten noch immer gegen die Sicherheitskräfte. Denn am Vorabend sorgte erneut ein Zwischenfall in der Athener Vorstadt Peristeri für neue Spannungen: Ein 16-jähriger Schüler war von einer Kugel an der linken Hand getroffen und leicht verletzt worden. Vom Täter fehlt jede Spur.

Rund um den Tod von Alexandros Grigoropoulos mehren sich die Gerüchte: Griechische Radiosender berichten einerseits – unter Berufung auf «gut informierte Kreise» der Staatsanwaltschaft – der 15-Jährige sei von einem Querschläger getroffen worden.

Andererseits wurde eines klar: Der Polizist, aus dessen Pistole die tödliche Kugel kam, hatte in die Richtung des Jugendlichen geschossen und nicht – wie behauptet – in die Luft. Dies zeige die ballistische Untersuchung.

Eine offizielle Bestätigung dafür gab es nicht. Wie es aus Justizkreisen hiess, werde das endgültige Ergebnis der Untersuchung erst nach dem Ende aller Ermittlungen vorliegen. Dies könnte Monate dauern.

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