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Posts Tagged ‘Religionsfreiheit’

Türkische Verbände FÜR pro Ethik

Posted by Botschaft - 18/04/2009

Türkischer Bund, Elternverein und Gemeinde der Aleviten befürworten gemeinsamen Unterricht

60 000 Deutsche türkischer Herkunft leben in Berlin und sind damit beim Volksentscheid der Initiative »Pro Reli« abstimmungsberechtigt, schätzt der Türkische Bund Berlin-Brandenburg. Neben dem Bund gaben gestern der Türkische Elternverein und die Gemeinde der Aleviten die Empfehlung, bei der Abstimmung über die Zukunft des Ethikunterrichts mit »Nein« zu stimmen. Bisher hielten sich die Migrantenverbände in der Diskussion über den Ethikunterricht zurück. »Pro Reli« zählt den Dachverband Türkisch-islamische Union zu seinen Befürwortern.

»Das Eine kann das Andere nicht ersetzen«, sagte Devrim Deniz Nacar, Generalsekretärin des Kulturzentrums anatolischer Aleviten auf der gemeinsamen Pressekonferenz. Der Ethikunterricht müsse für alle Schüler erhalten bleiben, weil er wichtige Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität vermittle und sich am Grundgesetz orientiere, so Nacar. Das Fach Ethik bilde ein Fundament für das friedliche Zusammenleben der Berliner. Sie arbeite selbst als Lehrerin in Kreuzberg und beobachte Abgrenzungstendenzen einzelner Schülergruppen aufgrund getrennten Religionsunterrichts. Die Verbände sind der Meinung, dass in einer multireligiösen und multikulturellen Stadt wie Berlin ein gemeinsamer Unterricht zum kulturellen Austausch zwischen den Schülerinnen und Schülern unentbehrlich sei.

»Die Menschen dürfen sich nicht zwingen lassen, sich für oder gegen Religion zu entscheiden, so wie es die Initiative Pro Reli fordert«, erklärte die Vorsitzende des Elternvereins Tülay Usta. Auf Versammlungen seien ihr nie Beschwerden türkischer Eltern über den Ethikunterricht zu Ohren gekommen.

Safter Cinar, Sprecher des Türkischen Bundes, kritisierte die Initiative Pro Reli. »Das Tränendrüsenargument, dass der jetzige Zustand den Schülern zwei zusätzliche Stunden pro Woche aufbürdet, ist lächerlich. Der Mehraufwand für die Schüler ist gering.« Bisher würden viele der Berliner Schülerinnen und Schüler diesen zusätzlichen Religionsunterricht auf sich nehmen, der vom Staat mitfinanziert wird. Überhaupt empfinde er die von Pro Reli ins Leben gerufene Volksabstimmung als überflüssig. Das Bundesverfassungsgericht habe bereits zweimal den verbindlichen Ethikunterricht für zulässig erklärt. Cinar nutzte die Gelegenheit, sich auch dafür auszusprechen, den islamischen Religionsunterricht in Berlin informativ statt bekennend zu gestalten. Islamkunde müsse alle Facetten dieser Religion beleuchten, so Cinar. Die Verbände werden sich mit Infoständen an der Kampagne beteiligen. Eine Plakataktion hätte jedoch ihre finanziellen Möglichkeiten gesprengt, erklärten die Verbandssprecher.

Am Rande der Pressekonferenz kündigte der Sprecher von »Pro Ethik« Gerhard Weil für den heutigen Tag Infostände in der Stadt an. Außerdem werde in U-Bahnen für den Erhalt des gemeinsamen Ethikunterrichts geworben. Für die nächste Woche ist eine Fernsehdiskussion zwischen Gegnern und Befürwortern geplant.(ND)

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Freidenker contra PRO-RELI

Posted by Botschaft - 04/04/2009

Freidenker und ostdeutsche Verbände streiten für Erhalt des Ethikunterrichts

Der 26. April rückt näher und damit der Tag des Volksentscheids, mit dem die Kampagne »Pro Reli« im Verein mit konservativen Kräften und den Medien in Berlin eines der fortschrittlichsten deutschen Schulgesetze kippen und den bisherigen Ethikunterricht als Pflichtfach abschaffen will. Darum hatten der Deutsche Freidenker-Verband Berlin, das Ostdeutsche Kuratorium von Verbänden e.V. (OKV) und das Bündnis für soziale Gerechtigkeit und Menschenwürde e.V. (BüSGM) am Donnerstag abend zu einer Veranstaltung mit dem etwas unglücklich gewählten Titel »Predigen pro Ethik« eingeladen.

Die der Einladung folgten, waren überwiegend im Großelternalter und füllten den Münzenberg-Saal des ND-Gebäudes nur knapp zur Hälfte. Auch dies ist eine Folge einseitiger Wahrnehmung durch die bürgerlichen Medien, die »Pro Reli« ausgiebig zu Wort kommen lassen, Veranstaltungen wie diese aber totschweigen; gerade mal zwei Journalisten konnte BüSGM-Vorsitzender Gert Julius als Moderator des Abends begrüßen. Dabei scheint ein Zusammenhang zwischen der »Pro Reli«-Kampagne und der aktuellen Krise unübersehbar, den auch Erdogan Kaya für die Föderation demokratischer Arbeitervereine (DIDF) herstellte. Aus einer Umfrage im Auftrag des Innenministeriums von Mitte März, die 30 Prozent der Jugendlichen eine ausländerfeindliche Einstellung attestierte, zog Kaya die Schlußfolgerung: »Wir sollten alle Religionslehrer entlassen!« Kaya mußte sich vorzeitig verabschieden, weil »Gott meinem Kind nicht bei der Matheaufgabe hilft«.

Die Ethiklehrer dagegen ernteten ausdrückliches Lob für ihre Arbeit von Egon Dobias, der sich für die Berliner Freidenker vor allem gegen die propagandistischen Verdrehungen seitens »Pro Reli« wandte. Das Pflichtfach Ethik stehe »einer vorsätzlich geförderten Einseitigkeit durch jedweden Religionsunterricht entgegen« und trage dazu bei, die Schülerinnen und Schüler zu kritischer Vernunft zu erziehen. Zündende Beispiele solch kritischer Vernunft gab es dann von der bekannten Brecht-Interpretin Gina Pietsch, die wie zuvor schon die Liedermacherin Isabel Neuenfeldt für die »musikalischen Zwischentöne« sorgte. Mit Brechts »Galileo«, seinem »Lob des Zweifels« und der »Kinderhymne«, aber auch Liedern von Violetta Parra und Victor Jara war Pietschs Beitrag weit mehr als ein »kultureller Rahmen« und der zweifellos begeisterndste Teil des Abends.

Lothar Nätebusch, Berliner Vorsitzender der Gewerkschaft IG BAU, warf die Frage auf, ob zu den von »Pro Reli« propagierten ethischen Werten etwa auch Vorstellungen wie die des Bischofs und Holocaustleugners Williamson und »die fragwürdige und widersprüchliche Haltung des Papstes« gehören sollten. Wie schon Dobias verwies auch Nätebusch darauf, daß die große Mehrheit der Berliner Bürger keiner Religionsgemeinschaft angehört und die Hälfte der Berliner Schüler einen Migrationshintergrund hat. Die Methoden der »Pro Reli«-Kampagne nannte er »demagogisch«, weil es die von ihr geforderte Wahlfreiheit längst gebe: »Nämlich Ethik als Lehrfach und Religion als Wahlfach auf freiwilliger Basis«. Nicht die Werte der Amtskirchen, sondern die der Bergpredigt sollten den Schülern vermittelt werden, meinte anschließend Renate Schönfeld, Pfarrerin i. R. und bekennendes DKP-Mitglied. Während Jesus die Händler, »also heute die Banker und Manager« aus dem Tempel geworfen habe, verteidigten »auch die Kirchen die ›Demokratie‹, das heißt ihren eigenen Wohlstand am Hindukusch«.

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Nur auf den hinteren Plätzen

Posted by Botschaft - 07/03/2009

Mit Gewalt wollen ultraorthodoxe Fanatiker in Jerusalem zusätzliche Buslinien erzwingen – damit Frauen von Männern getrennt sitzen
scanimage001Normalerweise herrscht Gedrängel an den meisten Haltestellen der strengreligiösen Gegenden Jerusalems.
Sobald die Busse vorfahren, streben Männer in schwarzen Mänteln und Hüten sowie züchtig gekleidete Frauen zur Ihr, um einen guten Platz an ergattern. Vergangene Woche aber bot sich ein ganz anderes Bild: Die Haltesteilen waren leer. Religiöse Fanatiker bewarfen stattdessen die Busse im ultraortodoxenen Viertel Mea Sehearim mit Steinen, zerstachen Reifen und bedrohten Angestellte. Auch im benachbarten Gerda kam es zu Demonstrationen. Die Betreiberfirma Egged sah sich gezwungen, den Busverkehr kurzzeitig auszusetzen.

(hier weiterlesen & Quelle)

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Wissenschaftler über Islamisierung

Posted by Botschaft - 02/03/2009

Der Erfurter Islamwissenschaftler Malik erforscht die Mobilisierung von Religion in Europa – und kritisiert die Islamisierung der Muslime durch die deutsche Mehrheitsgesellschaft.

taz: Herr Malik, Sie gehen davon aus, dass die Bedeutung der Religion in Europa zunimmt. Man kann aber vielerorts beobachten, dass die kirchlichen Gemeinden keinen Zulauf mehr haben, im Gegenteil. Wie geht das zusammen?

Jamal Malik: Die Bindungskraft der Kirchen in Europa nimmt ab, aber das bedeutet noch lange nicht, dass die Religiosität abnimmt. Wir haben das, was die englische Soziologin Grace Davie „believing without belonging“ nennt. Religion hat enorme kulturelle Potenz. Mit ihrer Hilfe kann Nachbarschaft entwickelt werden, kann ziviles Engagement aufgebaut werden, können Leute dazu gebracht werden zu kooperieren – oder auch dazu, sich voneinander abzugrenzen.

In dem Forschungsprojekt, das Sie in den vergangenen drei Jahren durchgeführt haben, sprechen Sie von der Mobilisierung von Religion in Europa. Das hört sich nach Instrumentalisierung an – und damit wenig positiv.
Mobilisierung ist erst einmal wertfrei. Wir wollten untersuchen, wo, aus welchen Gründen und durch wen Religion im 20. und 21. Jahrhundert in den Vordergrund tritt. Häufig – aber nicht nur – geht es dabei um Instrumentalisierung der religiösen und religiös legitimierten Grenzen. Nehmen wir zum Beispiel die Debatte über die Europäische Union. Wenn man das christliche Abendland, was ja ein Kampfbegriff ist, der über die Kirchen Eingang in die Politik gefunden hat, in die Debatte einführt, kann der EU-Beitritt der Türkei infrage gestellt werden. Auch bei der innerislamischen Debatte über Selbstmordattentäter wird Religion instrumentalisiert. An diesem Beispiel wird aber auch deutlich, dass Religion selbst auch mobilisieren kann: Natürlich muss Radikalisierung im sozialen Kontext verortet werden, aber der heilige Text bildet das jeweilige Skript, nach dem die Konfliktsituation gedeutet wird.

Bei all Ihren Beispielen geht es um den Islam. Hat die zunehmende Mobilisierung, die Sie beobachtet haben, immer mit dieser Religion zu tun?
In unserem Forschungsprojekt haben wir uns durchaus auch das Christentum angeschaut, etwa die Vision vom Abendland in der katholischen Kirche oder auch die Bedeutung des christlichen Sonntags. Die Debatten über den Islam haben aber Vorrang in der medialen Darstellung von Religion.

Kommse rein, könnse rausgucken: Tag der offenen Moschee in Berlin. Foto: dpa

Kommse rein, könnse rausgucken: Tag der offenen Moschee in Berlin. Foto: dpa

Seit wann beobachten Sie eine Mobilisierung des Islam?
Eine Zäsur war sicher die islamische Revolution im Iran Ende der 70er-Jahre, überhaupt diese Islamisierungswelle in muslimischen Mehrheitsregionen. Das hat natürlich Rückwirkungen auf Europa gehabt: durch internationale Beziehungen und durch Migration. Auseinandersetzungen mit der PKK in der Türkei finden ihren Niederschlag in Köln, Kämpfe um die Babri-Moschee im indischen Ayodhya haben Auswirkungen in London. Das Rechtsgutachten über Salman Rush 1989 war eine weitere Zäsur: Man hat ja nicht nur das Buch verbrannt – durch die Fatwa von Chomeini legitimiert -, man gründete im Vereinigten Königreich sogar ein muslimisches Parlament. Wichtig war sicherlich auch die Veröffentlichung von Samuel Huntingtons Werk „Kampf der Kulturen“, das 1996 auf Englisch und zwei Jahre später auf Deutsch erschienen ist. Huntington hat mit seinem Buch offensichtlich einen Nerv getroffen. Damit wurde ein Islambild aktualisiert, das eine lange Tradition hat und später über Luther oder auch Karl May in die Gegenwart transportiert wurde. Das Ergebnis: Selbst Historiker wie Hans-Ulrich Wehler wittern plötzlich die Türkengefahr , wenn es um die Zukunft der Europäischen Union geht.

In Deutschland war der Islam lange gar kein Thema – obwohl Gastarbeiter bereits seit Jahrzehnten in Hinterhofmoscheen beteten. Wann hat sich das geändert?
Stimmt, früher waren das eben die Türken, und die hatten ethnische Probleme. Aber seit zehn, fünfzehn Jahren wird der politische Diskurs in vielerlei Hinsicht islamisiert, der 11. September hat die Lage verschärft. Jetzt werden Muslime in muslimischen Minderheitsregionen in einem Maße islamisiert, wie es in ihren Herkunftsländern niemals der Fall wäre.

Was meinen Sie damit: Dass sich die Migranten selbst stärker der Religion zuwenden, oder dass sie von der Mehrheitsgesellschaft religiös definiert werden?
Natürlich trifft beides zu, aber ich meine jetzt vor allen Dingen die Islamisierung durch die Mehrheitsgesellschaft. Es handelt sich um Projektion auf den anderen, sozusagen als gängige Kulturtechnik zur Selbstaffirmation und Abgrenzung. In der Tat finden sich Muslime vermehrt aus dem von ihnen wahrgenommenen Grund ihrer Diskriminierung, nämlich wegen ihrer religiösen Zugehörigkeit, zusammen. Die Parallele zum andorranischen Juden von Max Frisch liegt nahe. Aber das ist nicht nur negativ.

Was soll daran positiv sein?

Die Muslime sehen darin auch die Möglichkeit, zu mobilisieren und von den Hinterhöfen in die Öffentlichkeit zu treten. Als Akteure ziviler Gesellschaft ringen sie um staatliche Anerkennung, ob das jetzt beim Religionsunterricht ist oder bei islamischen Friedhöfen oder repräsentativen Moscheen. Das sind alles Felder, auf denen diese Anerkennungsdiskurse ausgefochten werden.

Haben Sie bislang nicht eher von Abgrenzungsdiskursen gesprochen?
Das widerspricht sich ja nicht. Die Mehrheit muss einige Dinge abgrenzen, wegprojizieren, Erinnerungen an das Judentum im 19. Jahrhundert werden wach. Ich habe den Eindruck, dass man jetzt ähnlich mit den Muslimen verfährt. Es geht um eine Domestizierung und Homogenisierung des Islam – obwohl die Muslime doch wie ein bunter Flickenteppich sind.

Immerhin hat Bundesinnenminister Schäuble im Zuge der Islamkonferenz sinngemäß davon gesprochen, dass der Islam zu Deutschland gehört. Das ist doch schon was.
Ja, aber Minister Schäuble geht es in erster Linie um Sicherheitspolitik. Er sieht ja sogar den islamischen Religionsunterricht als Terrorprävention. Und die Deutsche Islamkonferenz ist auch ein Beispiel dafür. Ich habe davor gewarnt, sie einzurichten.

Warum?
Auch da geht es um die Islamisierung der Muslime. Da werden Leute nominiert, die mit dem Islam nur am Rande zu tun haben, und plötzlich sind sie Vertreter in der Deutschen Islamkonferenz. Natürlich finden das manche positiv, weil sie damit einen neuen Markt für sich entdecken. Und muslimische Funktionäre machen gerne mit, weil sie dadurch an Prestige zu gewinnen glauben. Aber was soll das alles? Dahinter steht eine Homogenisierungs- und Sicherheitspolitik: Ziel ist ein nationaler Islam, eine Verkirchlichung. Da wirft man ganz verschiedene Akteure in einen Topf, klebt das Label Islam drauf, und fertig. Aber mal ehrlich: Was hat ein indonesischer Muslim mit einem Türken zu tun? Oder ein Alevit mit einem Ahmadi? Plötzlich ist es egal, ob ich gläubig bin oder nicht, ob ich praktiziere oder nicht – zack, ich bin Muslim. Und das bedeutet leider auch, dass meine Loyalität zum Grundgesetz in Zweifel gezogen wird. Da stellt man sich schon die Frage: Was soll diese Überislamisierung?

Wie äußert sich das alles für Sie persönlich?
Diese Überislamisierung kann man sehr schön nachvollziehen auf Dialogveranstaltungen und bei öffentlichen Vorträgen, die immer schwieriger werden. Die Leute haben zunehmend Angst vor dem Islam, und diese wird auf den muslimischen Vortragenden projiziert, auch wenn dieser als vorbildhaft integriert daherkommen mag. Die Menschen sind heute zwar interessierter, aber auch aggressiver.

Auseinandersetzung ist doch besser als Ignoranz. Danach kann, so meinen viele Migrationsforscher, vielleicht die Annäherung kommen.

Ja, aber die Auseinandersetzung muss eine andere als eine primär religiöse sein. Der interreligiöse Dialog, egal ob im kleinen Kreis oder in der Deutschen Islamkonferenz, bringt wenig. Da treffen sich immer die gleichen Vertreter und klopfen sich auf die Schulter, aber das kommt bei den Menschen nicht an, löst nichts aus. Außerdem soll es ja um Integration gehen, aber Integration hat nur sekundär mit Religion zu tun. Wenn man Integration wirklich will, dann muss man den Integrationsdiskurs ganz schnell dekonfessionalisieren, diese religiöse Semantik muss da raus! Wir sind in einer Sackgasse. Denn wer einmal Muslim ist, ist immer Muslim. Aus dieser essenzialisierten Position kommt man nicht mehr raus.(taz) (Universität Erfurt)

RELIGION IN EUROPAIm scheinbar säkularen Europa des 21. Jahrhunderts gewinnt Religion in Gesellschaft und Politik an Bedeutung. Das war die Ausgangsthese des Forschungsprojekts „Mobilisierung von Religion in Europa“, das in den vergangenen drei Jahren WissenschaftlerInnen der Universität Jena, der Fachhochschule Jena und der Universität Erfurt durchgeführt haben. Der Schwerpunkt der Arbeit lag dabei in drei Bereichen: Religion und Identität, Institutionalisierung und Repräsentanz von Religion sowie Politisierung von Religion zu religiöser Gewalt.

Ende vergangener Woche wurden auf einer Abschlusstagung in Erfurt die Forschungsergebnisse vorgestellt. Die Themen reichten von „Religion und Werten im Reformprozess der EU“ über „Die Instrumentalisierung der antiken und christlichen Religion durch Griechisch-Zyprioten“ bis zu Fragen wie „Islamischer Religionsunterricht – Agent der Institutionalisierung?“.

JAMAL MALIK, 52, ist Professor für Islamwissenschaftler an der Universität Erfurt und einer der beiden Sprecher des Forschungsprojekt „Mobilisierung der Religion in Europa“. Malik ist in Pakistan geboren.

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Wie die CDU die Muslime Homophobisiert

Posted by Botschaft - 05/09/2008

Auf der Antifa-Konferenz vom 5. bis 7. September 2008, die im Rahmen der Gegenmobilisierung zum „Anti-Islamisierungs-Kongress“ europäischer Faschisten in Köln organisiert wird, soll es am Samstag Nachmittag auch einen Workshop zum Thema „Homophobie und antimuslimischer Rassismus“ geben. Hier die Ankündigung vorab:

Die CDU konstruiert den ‚homophoben Moslem‘

Am 1. Januar 2006 trat in Baden-Württemberg der als „Muslim-Test“ bekannt gewordene „Gesprächsleitfaden für die Einbürgerungsbehörden“ in Kraft. Die überwiegende Zahl der Fragen befasste sich mit der Gleichberechtigung der Geschlechter und transportierte das alte kolonialistische Klischee von der „sozialen Degradierung der Frau durch den Islam“ – was als ethnisches Vorurteil in einem Land, in dem jede vierte deutsche Frau von ihrem Partner regelrecht verdroschen wird, doch einigermaßen verwundert. Fast noch kurioser waren allerdings zwei (mit Rücksicht auf die christliche Klientel der CDU im Sommer 2007 gestrichene) Fragen, in denen sich die Ausländerbehörden auch nach der Einstellung des Bewerbers zu „Homosexuellen“ erkundigten.

So hieß es in Frage 30: „Stellen Sie sich vor, Ihr volljähriger Sohn kommt zu Ihnen und erklärt, er sei homosexuell und möchte gerne mit einem anderen Mann zusammen leben. Wie reagieren Sie?“ Vermutlich nicht anders als 80% der deutschen Männer, die in einer repräsentativen Emnid-Umfrage aus dem Jahr 2001 angaben, sie würden ein eigenes lesbisches oder schwules Kind „eher oder sehr negativ“ bewerten. Es ist schon seltsam, wenn in einer solchen Gesellschaft Homophobie als ein Punkt aufgefasst wird, an dem sich eine „kulturelle Differenz“ zwischen Deutschstämmigen und ethnisch Minorisierten konstruieren ließe.

Dass sich hier lebende Muslime, die in ihrer Mehrheit aus einem Staat stammen, in dem gleichgeschlechtlicher Sex schon seit 84 Jahren nicht mehr strafbar ist, nun ausgerechnet von einer CDU-Behörde fragen lassen sollen, wie sie es mit „Homosexuellen“ hielten, ist an historischer Amnesie eigentlich schon nicht mehr zu überbieten. Denn es waren bekanntlich die C-Parteien, die den berüchtigten Homoparagraphen 175 zwei Jahrzehnte lang in seiner verschärften Nazifassung konservierten. Statt sich aber gegen ihre Instrumentalisierung für rassistische Zwecke zu wehren, brachten es verbandspolitisch organisierte Schwule fertig, die Konservativen dafür zu preisen, dass sie Moslems vor ihrer Einbürgerung einem vermeintlich homofreundlichen Rigorosum unterziehen. So sehr scheinen sie verinnerlicht zu haben, dass man sich Bürgerrechte im CDU-Staat erst verdienen muss, indem man ihn von der eigenen Harmlosigkeit für die Gesellschaft überzeugt, dass sie meinen, die assimilatorische Ochsentour, die sie selbst schon hinter sich haben, jetzt genüsslich auch von anderen einfordern zu dürfen.

Offenbar glauben Homosexuelle, von dem „Feindbild Islam“ profitieren zu können. Denn im selben Maße, wie es Migrant_innen aus der deutschen Gesellschaft ausgrenzt, scheint es ihnen den Weg zu eröffnen, sich als nützliches Element der Feindbildpflege in diese zu integrieren. Dabei hat sich an der Heteronormativität der von den Schwulen im „Kulturkampf“ verteidigten westlichen Verhältnisse in den letzten Jahrzehnten überhaupt nichts Grundlegendes geändert. So ist der Anteil derer, denen in der Gegenwart Homosexueller „körperlich unwohl“ wird, seit den 70er Jahren praktisch konstant geblieben. Der Anteil der Deutschen, die das, was Homosexuelle tun, als eine „Schweinerei“ betrachten, für die man sie „kastrieren sollte“, ist zwar zwischen 1974 und 1991 auf ca. 20% zurückgegangen (die alten Nazis starben langsam aus). Dafür brach der Anteil männlicher Jugendlicher, die angaben, sexuelle Erfahrungen mit dem eigenen Geschlecht gesammelt zu haben, ungefähr im selben Zeitraum von 18 auf zwei Prozent zusammen.

Aber wie sollen solche heteronormativen Gewaltverhältnisse überhaupt noch zur Sprache kommen, wenn die Kritik daran umgelenkt, für rassistische Zwecke ausgebeutet und schließlich ganz auf den „Anderen“ abgeschoben wird? Es gibt deshalb gerade auch für Schwule, die mit den Zuständen unzufrieden sind, ein ganz und gar nicht uneigennütziges Interesse daran, sich am Kampf gegen den „differenzialistischen Rassismus“ (Taguieff) zu beteiligen.

Dass Homophobie der muslimischen Tradition nicht schon immer inhärent war, sondern – wie in einem ausführlichen Exkurs gezeigt werden soll – erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts aus Europa Eingang in das Normensystem des zerfallenden Osmanischen Reiches fand, ist ein weiterer Grund, sich mit der Konstruktion geschichtsloser Kulturen und unveränderbarer Religionen anzulegen. Eine Verteidigung des Islam ist es übrigens noch lange nicht, ihn mit seinen „erfundenen Traditionen“ (Hobsbawm) zu konfrontieren; wohl aber eine Kritik am Authentizitätskult des Islamismus, den ihm seine kulturrassistischen Kritiker immer schon gerne geglaubt haben.

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